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Portugal und Dänemark im Vergleich: Erneuerbare im Süden und im Norden

Nach dem Vergleich der großen europäischen Länder dreht es sich in diesem Beitrag um zwei kleinere Länder: Portugal und Dänemark. Beide sind Vorreiter bei den erneuerbaren Energien. Jedoch übertrifft Dänemark dabei das größere Portugal, wo Erdgas noch eine bedeutende Rolle spielt, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt. Beide Länder haben ambitionierte Energie- und Klimaziele für das Jahr 2030.

Der Energieverbrauch pro Kopf lag in Dänemark lange Zeit über dem portugiesischen. Hierbei spielt nicht nur das kältere Klima, sondern auch die höhere Wirtschaftsleistung Dänemarks eine Rolle. In den vergangenen zehn Jahren näherten sich die beiden jedoch an, da der dänische Verbrauch abnahm.

Energieverbrauch rückläufig und grüner

Während sowohl im südlichen Portugal als auch im nördlicheren Dänemark der Primärenergieverbrauch in den vergangen zehn Jahren zurückging, zeigen sich doch Unterschiede (Abbildung 1). Portugal konnte einen Rückgang von zehn Prozent verzeichnen, während der dänische Primärenergieverbrauch von 2010 bis 2020 um über 25 Prozent sank. In Dänemark spielte hierbei besonders der Umstieg auf die Windenergie im Stromsektor eine Rolle, welche den Kohleverbrauch und damit den Gesamtenergieverbrauch stark reduzierte. Portugals Bevölkerungszahl liegt bei etwa zehn Millionen und damit 40 Prozent über dem dänischen Pendant.

Veränderung des Primärenergieverbrauchs in Portugal (PT) und Dänemark (DK) (Quelle: Energy Brainpool, 2022)

Abbildung 1: Veränderung des Primärenergieverbrauchs in Portugal (PT) und Dänemark (DK) (Quelle: Energy Brainpool, 2022)

Ein Blick auf die Anteile der Energieträger die in Portugal und Dänemark eine Rolle spielen verdeutlicht, dass der Energiemix der beiden Länder sehr ähnlich ist (Abbildung 2). Der Mineralölverbrauch macht mit jeweils 44 Prozent den Hauptanteil aus. Währenddessen sind die nächstgrößere Energiequelle schon die erneuerbaren Energien: In Portugal haben sie einen Anteil von 29 Prozent, in Dänemark sogar von 34 Prozent. Unterschiede ergeben sich vor allem mit Bezug auf die Nutzung von Erdgas. Der Energieträger steuert noch knapp ein Viertel zur Versorgung Portugals bei, jedoch nur 14 Prozent in Dänemark (Quelle: Our Word in Data).

Bei der Nutzung von Kohle liegt allerdings Dänemark mit sechs Prozent noch vor Portugal mit drei Prozent. Die letzten zwei portugiesischen Kohlekraftwerke wurden außerdem Anfang und Ende 2021 vom Netz genommen (Quelle: energymonitor). Die Nutzung von Kernkraft spielt in keinem der beiden Länder eine Rolle.

Anteile verschiedener Energieträger am Primärenergieverbrauch in Dänemark (innerer Ring) und Portugal (äußerer Ring) im Jahr 2020 in Prozent (Quelle: Energy Brainpool, 2022)

Abbildung 2: Anteile verschiedener Energieträger am Primärenergieverbrauch in Dänemark (innerer Ring) und Portugal (äußerer Ring) im Jahr 2020 in Prozent (Quelle: Energy Brainpool, 2022)

Emissionen gehen zurück

Die Kohlendioxidemissionen Portugals gingen seit den 2000er Jahren um etwa 40 Prozent zurück. Sie liegen aufgrund von wirtschaftliche Schwierigkeiten vor und auch während der Corona-Pandemie bei nur noch 40 Mio. Tonnen im Jahr 2020. Die dänischen CO2-Emissionen sind seit den Höchstständen Mitte der 1990er Jahren schon um etwa 60 Prozent auf 26 Mio. Tonnen gefallen. In Dänemark war vor allem der Ausstieg aus der Kohleerzeugung und der Einstieg in die Windenergie ausschlaggebend. Im Jahr 2020 lagen die CO2-Emissionen pro-Kopf in Dänemark trotz starken Rückgangs in den letzten Dekaden mit 4,5 Tonnen noch immer über den knapp vier Tonnen der Portugiesen.

Erneuerbare Energien dominieren den Stromsektor

In beiden Ländern machen erneuerbare Energien über 70 Prozent der installierten Kapazität aus. Der Kraftwerkspark in Portugal hatte im Jahr 2021 eine installierte Leistung von knapp 22 GW, während Dänemark mit 11 GW nur die Hälfte an Stromerzeugungskapazitäten hat. In Dänemark dominiert die Windenergie mit über 50 Prozent, während andere Kraftwerkstypen nur Kapazitäten im Bereich von 1 bis 2 GW vorweisen. In Portugal stellt Wasserkraft ein Drittel der Kapazitäten, Wind und andere Erneuerbare ebenso. Mit 5 GW an Erdgaskapazitäten spielen jedoch thermische Kraftwerke noch eine große Rolle im Stromsektor. Abbildung 3 stellt den Kraftwerkspark der beiden Länder gegenüber (Quelle: ENTSO-E, ens, APREN).

portugiesische (PT) und dänische (DK) Stromerzeugungskapazitäten Anfang 2021 in GW (Quelle: Energy Brainpool, 2022)

Abbildung 3: portugiesische (PT) und dänische (DK) Stromerzeugungskapazitäten Anfang 2021 in GW (Quelle: Energy Brainpool, 2022)

Portugal erzeugte im vergangenen Jahr 49 TWh Strom, Dänemark nur 32 TWh. Die hohen Anteile der erneuerbaren Energien an der installierten Leistung spiegelt sich auch in der Stromerzeugung wider. Erneuerbare hatten dabei in Portugal einen Anteil von 63 Prozent, in Dänemark sogar von 78 Prozent. Der größte einzelne Energieträger des portugiesischen Strommix war jedoch Erdgas mit knapp 16 TWh oder einem Drittel der Erzeugung.

Die Hälfte des in Dänemark produzierten Stroms stammte in 2021 aus der Windenergie, ein Viertel aus Biomasse, während Kohle, Gas und Solar nur eine untergeordnete Rolle spielten. Importe deckten knapp 15 Prozent des dänischen Bruttostromverbrauchs von 37 TWh ab.

 

Bruttostromerzeugung in 2021 in Portugal (PT) und Dänemark (DK) in TWh (Quelle: Energy Brainpool, 2022)

Abbildung 4: Bruttostromerzeugung in 2021 in Portugal (PT) und Dänemark (DK) in TWh (Quelle: Energy Brainpool, 2022)

Große Pläne für PV und Offshore-Wind

Portugals Ziel bis zum Jahr 2030 ist ein Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien am Strommix. In 2035 soll der Stromsektor komplett dekarbonisiert sein. Die Investitionen in den vergangenen zwei Jahren gingen insbesondere in den Ausbau der Photovoltaik, welches das sonnenverwöhnte Land bisher noch nicht stark ausgebaut hat (Quelle: energymonitor).

Die Ausschreibungen für PV in Portugal haben in den vergangenen Jahren vermehrt zu sehr niedrigen Fördersätzen geführt und es besteht großes Interesse an PPAs mit Solaranlagen in Portugal (Quelle: PV Magazine). Bis 2030 sollen PV-Kraftwerke eine Kapazität von mindestens 9 GW erreicht haben und könnten damit etwa 20 Prozent des heutigen Stromverbrauchs abdecken.

Die dänischen Energie- und Klimaziele bis 2030 sind anspruchsvoll. Ein Rückgang der Treibhausgasemissionen von 70 Prozent im Vergleich zu 1990 wird dabei angestrebt. Gleichzeitig sollen erneuerbare Energien bis 2027 die gesamte Stromerzeugung im Land ausmachen. Ein Kohleausstieg auch aus der Wärmeerzeugung soll bis 2030 erfolgen. Die Erzeugung von grünem Wasserstoff wird in dieser Dekade stark gefördert und zwischen vier bis sechs GW an Elektrolyseurkapazitäten sollen gebaut werden (Quelle: Recharge).

Die Pläne Dänemarks sind auch für die Erzeugung von Offshore Wind relevant: Es sollen mehrere Energiehubs in den dänischen Gewässern der Nordsee mit bis zu 12 GW an Erzeugungskapazität installiert werden (Quelle: Offshorewind).

Fazit

Beide Ländern haben in den vergangenen zwanzig Jahren große Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Reduktion von Treibhausgasen gemacht. Der Umbau der Energiesysteme Portugals und Dänemarks geht in dieser Dekade in eine neue Phase und wird zu einem starken Zubau an Solarprojekten auf der iberischen Halbinsel und an Windprojekten besonders vor den Küsten Dänemarks führen.

Weitere Ländervergleiche:

  1. Italien versus Spanien
  2. Frankreich versus Deutschland

 

2 Kommentare

  1. Coole Idee und interessante Artikel in dieser Serie! Vielen Dank, da lernt man was.

    • Lydia Bischof

      26. Juli 2022

      Hallo Herr Hopfgartner,

      vielen Dank für Ihr positives Feedback! Wir freuen uns über Ihr Interesse!

      Viele Grüße

      Das Team von Energy Brainpool

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