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Blog by Energy Brainpool GmbH & Co. KG

Energiemarkt-Rückblick Oktober 2020

Während die EEG-Umlage für 2021 bekanntermaßen schon im Vorfeld politisch auf 6,5 ct/kWh gekappt wurde, ergaben sich große Veränderungen in den Szenarien des World Energy Outlook 2020 der Internationalen Energieagentur. Mit steigenden Corona-Zahlen sind auch die Commodity-Märkte gegen Ende Oktober wieder abgesackt.

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Die EEG-Umlage wird jedes Jahr Mitte Oktober für das folgende Jahr von den Übertragungsnetzbetreibern auf Basis von zukünftigen Prognosen bekannt gegeben. Im kommenden Jahr beträgt die EEG-Umlage 6,5 ct/kWh. Die Übertragungsnetzbetreiber haben am 15. Oktober 2020 bekannt gegeben, dass die EEG-Umlage ohne die Entlastungsmaßnahmen in 2021 auf 9,651 ct/kWh gestiegen wäre. Damit läge die EEG-Umlage 2021 40 Prozent höher als die nun bezuschusste EEG-Umlage von 6,5 ct/kWh.

Der Bundeszuschuss von 10,8 Milliarden Euro, bestehend aus dem Corona-Konjunkturpaket und der neuen CO2-Bepreisung im nationalen Emissionshandel, verhindert einen ansonsten starken Anstieg der Umlage im Vergleich zum Vorjahr. Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der EEG-Umlage im letzten Jahrzehnt auf.

Entwicklung der EEG-Umlage von 2010 bis 2022 (schraffierter Bereich: Höhe der EEG-Umlage ohne staatliche Deckelung) (Quelle: Energy Brainpool), Oktober

Abbildung 1: Entwicklung der EEG-Umlage von 2010 bis 2022 (schraffierter Bereich: Höhe der EEG-Umlage ohne staatliche Deckelung) (Quelle: Energy Brainpool)

Die COVID-19-Pandemie hatte einen verminderten Stromverbrauch zur Folge. Der vorläufige Nettostrombedarf für 2020 liegt voraussichtlich acht Prozent unter dem im Vorjahr geschätzten Wert (Quelle: PV Magazine). Darüber hinaus sind die Großhandelspreise gesunken. Dies hat zusätzlich die Einnahmen für erneuerbare Energien gemindert und zu einem Rekorddefizit auf dem EEG-Konto geführt. Das Defizit muss in 2021 ausgeglichen werden (Quelle: Bundesnetzagentur). Laut EWI könnte die EEG-Umlage in 2022 auf 8,36 ct/kWh steigen, sollte es keinen staatlichen Zuschuss geben (Quelle: ewi). Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betonte, dass im Jahr 2022 die EEG-Umlage weiter auf 6 ct/kWh gesenkt werde (Quelle: PV Magazine).

Große Änderungen im World Energy Outlook 2020

Jedes Jahr veröffentlicht die Internationale Energieagentur mit ihrem World Energy Outlook (WEO) eine umfassende Einschätzung über den aktuellen Stand der Energiewelt und über die zukünftigen Entwicklungen dieser. Die vorgegebenen Szenariopfade gelten weithin als maßgebliche Quelle für mittel- und langfristige Prognosen für die Entwicklung von Angebots-, Nachfrage- und Preisentwicklungen auf den globalen Energiemärkten.

Dieses Jahr beinhaltet der WEO vier Szenarien: das Standardszenario „Stated Policies“, das progressive Szenario „Sustainable Development“, den „Zero Emissions by 2050 case“ sowie ein Szenario in dem die COVID-19-Pandemie erst nach 2023 unter Kontrolle gebracht wird, das „Delayed Recovery Szenario“.

Obwohl auch langfristige Prognosen gemacht werden, liegt der Fokus deutlich auf den nächsten zehn Jahren. Grund hierfür sind die durch die Pandemie entstandenen Unsicherheiten. Die zwei ausgewiesenen Fokus-Bereiche des WEO 2020 sind zum einen die Auswirkungen von Corona auf den Energiesektor und zum anderen die damit verbundenen Aussichten für die Energiewende.

Eine umfassendere Zusammenfassung des WEO 2020 haben wir auf unserem EnergyBrainblog geteilt. Abbildung 2 gibt jedoch schon einen guten Überblick über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die globalen Energiekennzahlen im Jahr 2020.

Schlüsselindikatoren für den geschätzten Energiebedarf, CO2-Emissionen und Investitionen, 2020 relativ zu 2019 (Quelle: IEA), Oktober, Energy Brainpool

Abbildung 2: Schlüsselindikatoren für den geschätzten Energiebedarf, CO2-Emissionen und Investitionen, 2020 relativ zu 2019 (Quelle: IEA)

Für uns bei Energy Brainpool sind besonders die veränderten Annahmen zu den langfristigen Entwicklungen der Commodity-Preise von Relevanz und wie sich diese auf die Strompreise und somit auch die Vermarktungserlöse erneuerbarer Energien auswirken. Auch hierzu haben wir eine Analyse veröffentlicht.

Solar gewinnt bei Innovationsausschreibungen

Zum 1. September 2020 fanden in Deutschland zum ersten Mal Innovationsausschreibungen statt. Anders als bei regulären Ausschreibungen für Windenergieanlagen und Photovoltaik geht es bei den beiden geplanten Innovationsausschreibungen 2020 und 2021 um fixe Marktprämien. Im Gegenteil zur regulären gleitenden Marktprämie, welche die Differenz zwischen dem anzulegenden Wert (Gebotswert in der Ausschreibung) und dem monatlichen Marktwert an der Strombörse ausgleicht, entspricht die fixe Marktprämie einer Zahlung eines festen Betrags zusätzlich zum erzielten Preis an der Strombörse über den gesamten Förderzeitraum. Deshalb können die Ausschreibungsergebnisse nicht 1:1 mit den regulären Auktionen für erneuerbare Energien verglichen werden.

Eine weitere Besonderheit der neuen Ausschreibungen ist, dass der Gesetzgeber keine Förderung bei negativen Preisen zahlt. Teilnehmen durften dieses Jahr unter anderem Anlagenkombinationen von PV- oder Windenergieanlagen mit Speicher, welche über einen gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt einspeisen.

Ausschreibung stark überzeichnet

Auf das Ausschreibungsvolumen von insgesamt 650 MW haben sich laut Bundesnetzagentur 133 Gebote mit einer Leistung von 1.095 MW beworben. Dies entspricht einer Überschreibung von über 68 Prozent. 83 der Gebote waren Anlagenkombinationen, der Rest Photovoltaikanlagen. Es ging kein Gebot von einer einzelnen Windenergieanlage ein.

45 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 283 MW bekamen auch einen Zuschlag. Das niedrigste bezuschlagte Gebot lag bei 0,96 ct/kWh, das höchste bei 3 ct/kWh. Der mengengewichtete Durchschnitt liegt bei 2,65 ct/kWh.

28 Anlagenkombinationen bekamen einen Zuschlag für insgesamt 394 MW. Von diesen Kombinationen besteht nur davon aus einer Windanlage und Speicher, der Rest aus PV-Anlagen mit Speicher. Das niedrigste bezuschlagte Gebot lag hier bei 1,94 ct/kWh, das höchste bei 5,52 ct/kWh. Der mengengewichtete Durchschnitt beträgt 4,5 ct/kWh.

Zum 1. Oktober 2020 wurden weitere Ausschreibungsrunden für Solar und Windenergieanlagen an Land abgehalten. Die Windausschreibung war um 20 Prozent und somit erneut deutlich unterzeichnet. Bei der Solarausschreibung gab es erneut eine Überzeichnung. Es lässt sich erkennen, dass trotz der Möglichkeit an der Innovationsausschreibung teilzunehmen, die Nachfrage das Angebot bei PV weiterhin deutlich übersteigt.

Commodity und Strompreise fallen mit zweiter Corona-Welle

Die ansteigenden Corona-Fallzahlen und damit die Angst um einen neuen Lockdown führten im Oktober 2020 zum Sinken der Commodity-Preise. Verstärkt wird dies durch die sinkenden CO2-Preise (Quelle: Montel). Seit September 2020 erkennt man einen Preisverfall der Strompreise und der Öl-Preise der Sorte Brent. Die Kohlepreise folgen den fallenden Öl-Preisen. Der Strompreis für das Frontjahr landete Ende Oktober bei knapp über 36 EUR/MWh und könnte je nach Corona-Situation in den nächsten zwei Monaten weitere 2-3 EUR/MWh verlieren (Quelle: Montel).

Einen starken Aufwärtstrend legten die Gaspreise hin. Dieser Trend resultierte aus den sinkenden Temperaturen und der damit verbundenen größeren Nachfrage aus dem Heizsektor. Am Anfang des Monats wurde der Preis weiter unterstützt durch wenig Wind und fehlender Gasflüsse aus Norwegen wegen Wartungsarbeiten. Der Gaspreis für das Frontjahr erreichte sein Zehn-Monatshoch mit 14,68 EUR/MWh (Quelle: Montel).

Nach den Rekordwerten des Frontmonats an der TTF Anfang des Monats führten mildere Wetterprognosen und Aussicht auf ordentlich viel Wind gegen Mitte Oktober 2020 wieder zum Sinken der Gaspreise (Quelle: Montel).

Abbildung 3 zeigt die Preisentwicklungen des Frontjahres Strom Deutschland sowie für CO2-Zertifikate, Öl und Gas seit Anfang September 2020.

prozentuale Preisentwicklung des deutschen Stromfrontjahres (candle sticks), der CO2-Zertifikate mit Lieferung Dezember 2020 (rote Linie), der Ölsorte Brent mit Lieferung im Januar 2021 (orangefarbene Linie) und des Frontjahres Gas am TTF (grüne Linie) von Anfang September bis Ende Oktober 2020 (Quelle: Montel)

Abbildung 3: prozentuale Preisentwicklung des deutschen Stromfrontjahres (candle sticks), der CO2-Zertifikate mit Lieferung Dezember 2020 (rote Linie), der Ölsorte Brent mit Lieferung im Januar 2021 (orangefarbene Linie) und des Frontjahres Gas am TTF (grüne Linie) von Anfang September bis Ende Oktober 2020 (Quelle: Montel)

Solar nimmt im Oktober deutlich ab

Der Monat Oktober war teils geprägt durch hohe Windeinspeisungen, besonders in der ersten und letzten Woche. Der Day-Ahead-Preis sank in Anbetracht des besseren Windangebots und der durch Corona-Maßnahmen befürchteten sinkenden Energienachfrage (Quelle: Montel). Bedingt durch den Jahreszeitenwechsel halbierte sich die Solareinspeisung im Vergleich zum Vormonat beinahe. Dies ist auch gut in Abbildung 4 zu erkennen, welche die deutsche Stromerzeugung aus verschiedenen Technologien im Oktober 2020 darstellt.

Stromerzeugung und Day-Ahead-Preise im Oktober 2020 in Deutschland (Quelle: Energy Brainpool)

Abbildung 4: Stromerzeugung und Day-Ahead-Preise im Oktober 2020 in Deutschland (Quelle: Energy Brainpool)

 Autoren: Simon Göß, Naemi Schink und Sila Akat

2 Kommentare

  1. Super geschriebener und informativer Artikel :-). In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen

    • Lydia Bischof

      25. November 2020

      Hallo Herr Seidel,

      vielen Dank für das positive Feedback! Wir freuen uns über Ihr Interesse!

      Viele Grüße

      Das Team von Energy Brainpool

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