Die Ideen zur Neuauflage der Großen Koalition fallen hinten die der Jamaika-Verhandlungen zurück. Änderungen am EEG und größere Ausschreibungsvolumina werden unvermeidlich sein, wobei langfristige Stromlieferverträge für erneuerbare Energien (PPA – Power Purchase Agreements) neben dem EEG als Vergütung die Zukunft sein könnten. Der Gassektor muss sich nach Erdbeben in den Niederlanden auf weitere Kürzung von L-Gasimporten einstellen. Die Strompreise am langen Ende gehen den politischen Ankündigungen zur Vertagung eines Kohleausstiegs, sowie sinkenden Kohlepreise entsprechend nach unten.

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Sondierungsergebnisse fallen hinter Jamaika-Ideen zurück

Nach jetzigem Stand ist es nicht unwahrscheinlich, dass Deutschland bald wieder von eine Großen Koalition zwischen CDU/CSU und SPD regiert wird. Während bei den Jamaika-Verhandlungen im letzten Jahr noch progressive Elemente wie die Abschaltung von bis zu 7 GW Kohlekapazitäten zum Grundtenor gehörten, soll das Thema Kohleausstieg in eine Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ ausgelagert werden. Bis Ende 2018 soll somit ein Plan für die Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung vorliegen. Das Klimaschutzziel von einer Emissionsminderung von 40 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 wurde ebenfalls aufgeben, soll aber Anfang der 2020er Jahre erreicht werden. Der Fokus soll nun auf der Sicherung des Ziels für 2030 liegen. Allerdings haben sich die zukünftigen Koalitionspartner auch darauf geeinigt, den Anteil von erneuerbaren Energien im Stromsektor bis 2030 auf 65 Prozent anzuheben. Sonderausschreibungen von jeweils 4000 MW Wind- und Solarenergie in 2019 und 2020 sollen hierzu beitragen (Quelle: Energate).

Verbände, die Grünen, aber auch die Bundesländer Niedersachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein legten ihre eigenen Ideen für größere Auktionsvolumen bei Solar, Onshore und Offshore Wind sowie für die Ausschreibungsbedingungen für die kommenden 2 Jahre vor. Es geht insbesondere darum, die Zubaulücke aufgrund der Bürgerenergiegesellschaften, aber auch die Lücke zum Klimaziel für 2020 möglichst schnell zu schließen.

Klar ist, dass das aufgegebene Klimaziel für 2020 und der spätere Kohleausstieg, allenfalls eine Verschiebung der Herausforderungen in die Zukunft bedeutet. Damit Deutschland wenige Jahre vor 2030 dann nicht wieder ähnlich dasteht wie heute, muss an erheblich mehr Stellschrauben gedreht werden. Etwa an einer Reform der Umlagen, einem Mindestpreis für CO2 oder der Sektorkopplung.

 Power Purchase Agreements für erneuerbare Energien als Zukunftsmodell?

Trotz der schleppenden Änderungen in der politischen Arena, sind langfristige Lieferverträge für erneuerbare Energien, auch PPAs, auf dem Vormarsch. Sinkende staatliche Vergütungen oder gar der Wegfall dieser, bereitet den Weg für solche Direktabnahmeverträge. Im internationalen Kontext sind PPAs für erneuerbare Energien schon weiter verbreitet als in Deutschland.

Oftmals sind es große Unternehmen, die einen Teil ihres Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien decken wollen. Sie gehen daher einen Verträge mit Projektieren und Eigentümern von Erneuerbaren ein. Beide Seiten, sowohl die Käufer als auch die Verkäufer können hierbei von der Sicherheit fixierter oder indexierter Strompreise profitieren. In Großbritannien, Spanien aber auch in Skandinavien werden PPAs schon stärker verwendet als in Deutschland. So hat sich das Volumen von PPA-Verträgen in den letzten Jahren vervielfacht (Quelle: BNEF).

In den kommenden Jahren wird insbesondere interessant, wie stark die staatliche Vergütung aus den Ausschreibungen sinkt und inwiefern ein direkter Liefervertrag gegebenenfalls höhere Erlöse und bessere Finanzierungskonditionen erlaubt.

Lesen Sie zum Thema PPA, dem fairen Preis eines solchen Vertrags und weitere Hintergrundinformationen auch unser White Paper.

Weitere Reduzierung der Gasförderung in den Niederlanden

Am 8. Januar kam es in der Region um das niederländische Erdgasfeld bei Groningen zum stärksten Erdbeben (Stärke von 3,4) seit sechs Jahren. Das niederländische Parlament drängt dementsprechend auf eine weitere Absenkung der Erdgasfördermenge. Aktuell liegt die Förderung bei 21,6 Mrd. Kubikmeter, wovon ein Großteil nach Deutschland in L-Gasqualität exportiert wird. Die Förderung wird laut Wirtschaftsminister Wiebes noch stärker als die 1,5 Mrd. Kubikmeter abgesenkt werden, die im Koalitionsvertrag vereinbart wurden (Quelle: Energate).

Die niederländische Regierung hat ebenfalls die Industrie des Landes aufgerufen innerhalb von vier Jahren komplett auf L-Gas zu verzichten und eine Umstellung ihrer Prozesse auf H-Gas oder andere Technologien zu gewährleisten. Dies betrifft insbesondere die 200 größten Verbraucher mit einer jährlichen Gasnachfrage von 5,5 Mrd. Kubikmeter (Quelle: Energate). Auch für die deutschen Gebiete, die mit niederländischem L-Gas versorgt werden, könnte der Förderrückgang Auswirkungen haben. Die Marktraumumstellung von L- auf H-Gas in Deutschland, soll bis 2030 umgesetzt sein. Dieser Zeitrahmen für die Umstellung der über 5,5 Mio. Geräte könnte nun unter Druck geraten (Quelle: BBH).

Fallende Preise am langen Ende nach GroKo-Sondierungen

Die Strompreise für die Lieferung von Grundlaststrom für das Jahr 2019 (Candlesticks) ist nach dem Ende der Jamaika-Koalitionsverhandlungen im Gleichschritt mit den Kohlepreisen (rote Linie) angestiegen. Wie Abbildung 1 zeigt, stieg der Wert des Kontrakts für das deutsche Marktgebiet im Laufe des Dezembers 2017 auf knapp 37 EUR/MWh. Endjahreshandelsgeschäfte können hierfür ebenfalls teilweise verantwortlich gemacht werden. Seit Januar 2018 fiel der Wert des Kontraktes für 2019 allerdings von knapp 37 EUR/MWh auf bis zu 35 EUR/MWh.

 

Abbildung 1: Preisverlauf für Frontjahrlieferung 2019 Base (DE) im Dezember 2017 und Januar 2018 (Candelsticks), Kohlepreise (rote Linie) und CO2-Zertifikatspreise (orangenfarbene Linie) im Vergleich, (Quelle: Montel)

Abbildung 1: Preisverlauf für Frontjahrlieferung 2019 Base (DE) im Dezember 2017 und Januar 2018 (Candelsticks), Kohlepreise (rote Linie) und CO2-Zertifikatspreise (orangenfarbene Linie) im Vergleich, (Quelle: Montel)

Der Preisverfall für den Strom-Kontrakt kann erklärt werden: Die Sondierungsgespräche von CDU/CSU und SPD und deren Ergebnisse ließen darauf schließen, dass es vorerst zu keinen verstärkten Stilllegungen von Kohlekraftwerken kommt. Dadurch stünden dem Markt auch in 2019 noch große Kapazitäten von Braunkohlekraftwerken zur Verfügung. Dies bedeutet also weniger Knappheit auf Erzeugungsseite und damit geringe Strompreise für das Jahr 2019. Weiterhin hat sich der Wechselkurs EUR/USD so entwickelt, dass die in USD gezahlte Kohle für europäische Käufer billiger wurde (siehe rote Linie in Abbildung 1). Dementsprechend fiel auch der Preis für die Stromlieferung.

Die Verhandlungen zu den Regel des Europäischen Emissionshandelssystems für die neue Handelsperiode von 2021 bis 2030 hat Ergebnisse hervorgebracht. Der Plan von geringerer Ausgabe von Zertifikaten und dem Entnehmen von Zertifikaten durch die Marktstabilitätsreserve ließen die Preise für CO2-Zertifikate (orangenfarbene Linie) ab Mitte Januar auf nun knapp 10 EUR/Tonne ansteigen. Infolgedessen kann auch der Anstieg des Frontjahres für die Grundlastlieferung Strom ab Mitte Januar erklärt werden.

Die Erzeugung aus Windenergie brachte im Januar einige Rekorde. So wurde in den Morgenstunden des 1. Januars 2018 der komplette Strombedarf Deutschlands durch erneuerbare Energien gedeckt. Gleichzeitig haben aber auch thermische Kraftwerke Strom erzeugt, was dementsprechend zu hohen Exporten ins benachbarte Ausland geführt hat. Eine genaue Analyse dieser Rekordsituation finden Sie hier.

Weiterhin brach die Windstromerzeugung in den Abendstunden des 3. Januars zwischen 21 und 22 Uhr den bisherigen Einspeiserekord und brachten in diesem Zeitraum eine Leistung von 42,6 GW ins Netz. In Abbildung 2 ist die hohe Winderzeugung Anfang Januar zu sehen. Deutlich zu erkennen ist auch das Absenken der Leistung von Kern- und Braunkohlekraftwerken in Zeiten hoher Windeinspeisung und niedriger Strompreise. Bemerkenswert ist die flexible Fahrweise von Steinkohlekraftwerken vor allem auch bei geringer Windeinspeisung.

Abbildung 2: Stromerzeugung und Spotpreise im Januar 2018 in Deutschland

Abbildung 2: Stromerzeugung und Spotpreise im Januar 2018 in Deutschland