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Energy BrainBlog

Blog by Energy Brainpool GmbH & Co. KG

Fünf Thesen zum Energiemarkt für „Jamaika“

In der kommenden Legislaturperiode besteht großer energiepolitischer Handlungsbedarf, um den Veränderungen in den Bereichen Energie, Mobilität und Digitalisierung gerecht zu werden und die gesteckten Ziele zu erreichen. Nach Auswertung der Wahlprogramme von CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/die Grünen hat Energy Brainpool fünf relevante Herausforderungen für den Energiemarkt identifiziert, die eine solide Basis für eine gemeinsame Energiepolitik bilden können.

Zieldreieck der Energiewirtschaft

Diese sind der Klimaschutz, die Sektorenkopplung/Energiespeicherung, die Kostenverteilung bei den Verbrauchergruppen, die Digitalisierung und die europäische Binnenmarkt-Integration. Hierzu formuliert Energy Brainpool aus unabhängiger Sicht fünf Thesen als Gesprächsgrundlage:

Fünf Thesen für die Gestaltung des Energiemarkts

  1. Die Umsetzung der Klimaschutzziele gelingt durch einen effektiven CO2-Preis, der so europäisch und sektorübergreifend wie möglich gestaltet ist.
  2. Ein Level-Playing-Field in den gekoppelten Sektoren Wärme, Mobilität und Elektrizität stellt sicher, dass durch eine wachsende Flexibilisierung des Gesamtsystems kaum Knappheits- oder Überschusssituationen in den Energiemärkten entstehen.
  3. Derzeit sind die Kosten bei Entgelten, Umlagen und Steuern, je nach Energieträger und Verbrauchergruppe, ungleich verteilt. Das ist das wesentliche Hindernis auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Konzept für den Energiemarkt.
  4. Die Digitalisierung ist für die Dekarbonisierung und Dezentralisierung des Energie-sektors unabdingbar. Die hohen Effizienzgewinne sind der Motor dieses Prozesses. Dabei muss die Regulierung vor allem Schritt halten.
  5. Es ist essenziell, die Herausforderungen in Versorgungssicherheit, Umweltverträg-lichkeit und Wirtschaftlichkeit europäisch zu lösen.

Die Thesen im Detail:

  1. Die Umsetzung der Klimaschutzziele gelingt durch einen effektiven CO2-Preis, der so europäisch und sektorübergreifend wie möglich gestaltet ist.
    Alle vier Parteien bekennen sich zu den Klimaschutzzielen von Paris und mehr Europa. Der Gesetzgeber muss CO2-Emissionen angemessen bepreisen. Eine Einigung darauf ist gemeinsam mit Frankreich und anderen Ländern in einem Verbund der Vorreiter europäisch erreichbar. Dies ist wichtig, um Emissionen tatsächlich zu vermeiden statt sie nur zu verlagern. Ein höherer CO2-Preis von etwa 30 EUR/t stärkt die Wettbewerbsfähigkeit emissionsarmer und -freier Technologien in ganz Europa. Der Markt dirigiert so effizient auch auf nationaler Ebene den Wechsel von Kohle zu Gas. Dies reduziert die Notwendigkeit, den geförderten Zubau für Wind und Photovoltaik zu beschränken. Mehr Markt bedeutet auch weniger Förderung. Eine sinkende EEG-Umlage entlastet Verbraucher und reduziert das „Preisschild“ der Energiewende.
  2. Ein Level-Playing-Field in den gekoppelten Sektoren Wärme, Mobilität und Elektrizität stellt sicher, dass durch eine wachsende Flexibilisierung des Gesamtsystems kaum Knappheits- oder Überschusssituationen in den Energiemärkten entstehen.
    Es besteht ein breiter Konsens, dass die Sektorenkopplung großes Potenzial für die Wirtschaft und Umwelt birgt. Die neue Bundesregierung kann Deutschland zum Vorreiter im globalen Wandel machen. Dieser führt weg von der nachfragegesteuerten Verbrennung fossiler Brennstoffe hin zur optimalen Verwendung des Dargebots erneuerbarer Energien. Der bestmögliche Technologiemix aus Elektromobilität, erneuerbaren Kraftstoffen, Power-to-X, Speichern und Lastmanagement kann dann im Wettbewerb gefunden werden. Um die verfügbare Energie optimiert zu nutzen, müssen alle Technologien unabhängig von Energieträgern (Gas, Strom, Fernwärme und flüssige Kraftstoffe) und Verwendung die gleichen Rahmenbedingungen erfahren.
  3. Derzeit sind die Kosten bei Entgelten, Umlagen und Steuern, je nach Energieträger und Verbrauchergruppe, ungleich verteilt. Das ist das wesentliche Hindernis auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Konzept für den Energiemarkt.
    Energieversorgungsunternehmen haben die Innovationskraft, ihren Kunden ökologisch und ökonomisch optimierte Lösungen für Energiedienstleitungen in den Bereichen Wärme, Strom und Verkehr anzubieten. Zurzeit besteht vor allem ein Anreiz darin, Netzentgelte, Steuern und Umlagen zu vermeiden oder sich befreien zu lassen. Besonders gehemmt ist die Elektrifizierung und Flexibilisierung der Energiemärkte aktuell durch hohe fixe, nicht beinflussbare Strompreisbestandteile. Regionale Differenzen in den Netzentgelten schwächen Wirtschaftsstandorte. Die Vorschläge für den Umbau liegen auf dem Tisch. Die neue Regierung hat die dringende Aufgabe, mit allen Stakeholdern Entscheidungskriterien zu definieren und danach ein zukunftstaugliches Konzept auszuwählen und umzusetzen.
  4. Die Digitalisierung ist für die Dekarbonisierung und Dezentralisierung des Energiesektors unabdingbar. Die hohen Effizienzgewinne sind der Motor dieses Prozesses. Dabei muss die Regulierung vor allem Schritt halten.
    Die Digitalisierung wird in einem immer kleinteiligeren und interaktiveren Energiemarkt dringend benötigt. Gleichzeitig drängt sie als globaler Trend in den Markt und lässt mit neuen Technologien neue Geschäftsmodelle entstehen. So können zum Beispiel künstliche Intelligenz, das autonome Fahren, die Blockchain und intelligente Stromzähler notwendige Bestandteile lohnender Geschäftsmodelle werden. Die Regulierung muss bei Veränderungen bis hin zu disruptiven Umbrüchen regulative Hindernisse bewerten und ggf. schnell aus dem Weg räumen. Dabei wird eine Hauptaufgabe darin bestehen, die Entwicklungen mit der Brille einer Risikomanagerin zu begleiten, beispielsweise die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden und keine sozialen Umbrüche zu erzeugen Auch müssen die Interessen der Bürger in punkto Datenschutz vertreten werden.
  5. Es ist essenziell, die Herausforderungen in Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit europäisch zu lösen.
    Je europäischer die Ansätze, desto effizienter und effektiver werden die Ziele im Zieldreieck der Energiepolitik erreicht: In punkto Umweltverträglichkeit hat ein nationaler Klimaschutzalleingang mit Verlagerungen der Emissionen ins Ausland bloß symbolischen Wert. Je schneller die europäische Binnenmarkt-Integration vorankommt, desto geringer sind die volkswirtschaftlichen Kosten für die Stromerzeugung. Sinkende Strompreise sind im Interesse aller. Im vergangenen Winter konnte sich Frankreich bei ausgefallenen Kernkraftwerken auf das Konzept der europäischen Versorgungssicherheit verlassen. In den kalten Dunkelflauten der Zukunft wird jedes Marktgebiet mal Unterstützung benötigen. Europaweite energiepolitische Lösungen stärken die EU und binden ebenso Nicht-EU-Mitglieder ein.

In diesen fünf Themen sieht Energy Brainpool großen Handlungsbedarf sowie inhaltlich tragfähige Lösungsräume für die Energiepolitik in einer Jamaika-Koalition. Es herrscht Konsens bei den Zielen. Flexibilität und Offenheit aller Beteiligten bezüglich der Wege dorthin vorausgesetzt, bietet diese Koalitionsoption eine große Chance. Die emissionsfreien Technologien sind in den vergangenen Jahren Kostenführer und damit marktreif geworden. So können sie  die Lebensqualität steigern, den Mittelstand und die heimische Wirtschaft fördern. Gleichzeitig können sie  Subventionen abbauen und die Versorgung sichern.

Autoren des Artikels: Fabian Huneke, Carlos Perez Linkenheil, Tobias Kurth

15 Kommentare

  1. Fabian Huneke

    17. Oktober 2017

    Liebe Leser, für unsere neuen Szenarien und Studien interessiert uns Ihre Meinung! Diskutieren Sie mit:

    1. Wird es bis 2020 einen neuen/veränderten nationalen oder europäischen CO2-Preis geben? In welcher Höhe? In welchen Sektoren?

    2. Welche Entwicklungen ergeben sich aus den Buzzwords der Energiebranche „Digitalisierung“ und „Sektorenkopplung“ konkret?

    • Es muss einen CO2-(Mindest-)Preis geben, denn es gibt kein klimapolitisches Instrument mit einem vergleichbar hohen Potenzial eines Konsenses. Das liegt an der fiskalischen Wirkung (kostet weniger als es bringen kann) wie auch am marktwirtschaftlichen Konzept, dem auch wirtschaftsliberale Kräfte etwas abgewinnen können.
      Die Vorteile sollen noch stärker herausgestrichen werden: Das Konzept erlaubt eine sozialpolitische Abfederung der durch die Bepreisung ansteigenden Kosten für einkommensschwache Haushalte.
      Die höheren Kosten für Konsumenten und gewerbliche Verbraucher werden handlungsleitend für höhere Energieeffizienz. Das kann durch keine Subvention erreicht werden.
      Durch die CO2-Bepreisung kann die EEG-Förderung sukzessive abgelöst werden. Die Umlage sinkt durch den steigenden Marktwert aller Energieformen und die dadurch sinkende EEG-Umlage. Dadurch wird man vor Ablauf der EEG-Förderdauer ohne Friktionen, ohne fiskalische Balstungen aus der Förderung „ausschleichen“.
      Wir brauchen aber auch begleitende Festlegungen:
      Das Emissionshandelssystem EPS sollte nicht abgeschafft, sondern durch den CO2-Mindestpreis als „Bottom“ so lange kaltgestellt bleiben, bis eine vernünftige, preiswirksame (=knapp) Mengenallokation gelungen ist.
      Wir dürfen nicht auf den Konsens aller warten, sondern die first mover sollten ihre Wirtschaftszone durch ein Carbon-Border-Adjustment schützen. Dieses Instrument kann die Ängste der industrien um ihre Wettbewerbsfähigkeit beseitigen (so unbegründet sie sein mögen). Was man beim Im- und Export schon seit Jahrzehnten mit der Mehrwertsteuer macht, muss auch mit Umweltsteuern möglich sein.
      2. Die Sektorenkopplung erscheint oft als Euphemismus für die zukünftige wachsende Bedeutung des Stroms in leitungsgebundenen Energieanwendungen. Mancher macht daraus sogar nur die Eroberung des Wärmemarktes durch zukünftig erwartete Stromüberschüsse. Dieser Wettebwerb wird möglicherweise im Transportsektor entschieden: Dominieren zukünftig Batterien oder Flüssigtreibstoffe?
      Wie die Digitalisierung, die längst alle Lebensbereiche erfasst hat, gibt es solche parallelen Modernisierungstrends, die wir in den Dienst der Energiewende stellen können.
      Beide haben keinen intrinsischen Nachhaltigkeitscharakter – wir müssen sie verantwortungsbewusst gestalten!

      Uwe Welteke-Fabricius, Netzwerk Flexperten

      • Lydia Bischof

        1. November 2017

        Sehr geehrter Herr Welteke-Fabricius,

        vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir sind gespannt, wie sich die energiepolitischen Rahmenbedingungen unter der Jamaika-Koalition entwickeln werden.

        Mit freundlichen Grüßen

        Das Team von Energy Brainpool

  2. Ohne Kernkraftwerke wird die Energiewende knischend scheitern.

    Deutschland hat jetzt schon die zweithöchsten Strompreise der Welt, allein ins EEG gehen 25 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist so viel wie die gesamte nukleare Entsorgung!

    Warum wohl verkauft (der Erfinder des Edelstahls!) Thyssen-Krupp jetzt auch noch seine Stahlsparte?

    Und die Treibhausgasemission bleiben konstant.

    • Dr. Gerhard Hofmann

      17. Oktober 2017

      Die versteckten Zusatzkosten, die nicht auf den Strompreis umgelegt werden, betragen für konventionelle Energien rund 38 Milliarden Euro. Wirklich Atomkraftwerke? Mal ganz abgesehen vom Gesundheitsrisiko und der vollkommen ungelösten Atommüll-Problematik. Die wird nämlich ein Vielfaches der von Mohrbach genannten 25 Milliarden kosten – sicher.

    • Lydia Bischof

      17. Oktober 2017

      Lieber Herr Mohrbach,

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Beim Thema Kernkraft scheiden sich immer noch und immer wieder die Geister. Es geht politisch darum, die Zukunft nun ohne Kernkraft in Deutschland zu gestalten. Hier müssen Weichen gestellt werden.

      Klar ist, der Kernkraftausstieg macht den Klimaschutz ein Stück weit schwerer. Den „Rucksack EEG-Umlage“ tragen Stromverbraucher noch bis mindestens 2020 spürbar herum. Die Zuschlagswerte bei den Ausschreibungen für Wind und Solar sinken rapide. Die Situation in Frankreich war im vergangenen Winter sicherlich nicht von niedrigen Strompreisen und hoher Versorgungssicherheit geprägt. Die aktuelle Situation ist nicht besser. Die finanzielle Förderung der Kernkraft in Großbritannien liegt mit rund 12 ct/kWh für Hinkley-Point-C auch deutlich über dem Niveau von anderen Technologien.

      Freundliche Grüße

      Ihr Team von Energy Brainpool

  3. 1. Wird es bis 2020 einen neuen/veränderten nationalen oder europäischen CO2-Preis geben? In welcher Höhe? In welchen Sektoren?
    Ich hoffe es, fürchte aber, dass es dazu nicht kommen wird; die Beharrungskräfte der mit weitaus größeren Summen als die Erneuerbaren subventionierten fossilen Wirtschaft sind sehr groß.

    2. Welche Entwicklungen ergeben sich aus den Buzzwords der Energiebranche „Digitalisierung“ und „Sektorenkopplung“ konkret?
    Mit Recht sieht energy brainpool hier großen Handlungsbedarf – die große Koalition hat hier viel verschlafen. Und: Mit oder ohne Sektorenkopplung: In allen Bereichen haben wir Nachholbedarf, vor allem natürlich in der Wärme.

    • Lydia Bischof

      19. Oktober 2017

      Sehr geehrter Herr Dr. Hofmann,

      vielen Dank für Ihre Beiträge.

      Mit freundlichen Grüßen

      Das Team von Energy Brainpool

  4. Dr.- Ing. Wolfgang Rasim

    18. Oktober 2017

    Das Zieldreieck der Energiepolitik ist, eigentlich längst bekannt, mit dem Zusatz „Akzeptanz der Erneuerbaren“ zu einem Viereck zu ergänzen.
    These 1: Auch wenn die Klimaschutzziele, 40 oder nur 32 % CO2- Verminderung, erreicht werden sollten, ist das global quantitativ irrelevant (siehe VDI- Nachrichten vom 8. Sept, S. 5: Meinung: „Des Kaisers neue Kleider“).
    These 2: „… kann Deutschland zum Vorreiter im globalen Wandel machen. Dieser führt weg von der nachfragegesteuerten Verbrennung fossiler Brennstoffe hin zur optimalen Verwendung des Dargebots erneuerbarer Energien.“
    Das ist „Wahnsinn pur“ und bedeutet ein Zurückbomben unserer Gesellschaft in die Steinzeit, d. h. wenn Wind weht und Sonne scheint, kann ich Strom beziehen, anderenfalls ist „Pumpe“! Dass sich Wind- und Sonnenstrom in erforderlicher Menge praktikabel nicht speichern lassen, ist spätestens seit der DPG- Studie von 2010 oder dem Vortrag von Prof. Sinn in München 2014 bekannt.
    These 5: „… In punkto Umweltverträglichkeit hat ein nationaler Klimaschutzalleingang mit Verlagerungen der Emissionen ins Ausland bloß symbolischen Wert.“ Das ist richtig!
    In drei Nachsätzen: „Die emissionsfreien Technologien sind in den vergangenen Jahren Kostenführer und damit marktreif geworden… und können die Versorgung sichern.“ zeigt sich erschreckendes Unwissen. Fakt ist: Wind- und Sonnenstromerzeuger benötigen 100 % Ersatzkapazität in konventionellen Kraftwerken (Doppelstruktur), deren horrende Kosten sind den Erneuerbaren anzurechnen! Weiterhin haben sie die Versorgungssicherheit gravierend vermindert (siehe FAZ 09.06.: „Deutsches Stromnetz in einem kritischen Zustand, Energiewende Stromnetz kurz vor dem Zusammenbruch.“)
    Diese Technologien bewirken neben der katastrophalen Landschaftszerstörung, dass:
    – bisher 150 Mrd. Euro über das EEG den Stromverbrauchern abgeknöpft wurden;
    – künftig weitere 370 Mrd. anfallen werden, wenn die neue Regierung das EEG nicht abschafft.
    – sich der Rest der Welt über uns kaputtlacht (Gabriel: „…sind wir Bekloppte..“).
    Mussten derartige Schreibfehler passieren? T 1:.. so effizient auch nationaler Ebene…“
    T 2: “ … Speichern und Lastmangement kann..“ T 4: „… bis hin zu disruptiven Umbrüchen…“

    • Lydia Bischof

      19. Oktober 2017

      Lieber Herr Dr. Rasim

      vielen Dank für den Beitrag. Sie sprechen mit der Akzeptanz eine wichtige Herausforderung bei der Braunkohleförderung, der Kernkraft, dem Netzausbau und vermehrt auch beim Windenergiezubau an. Die Wahlprogramme der FDP und der Grünen haben einige dieser Punkte aufgegriffen und wir sind gespannt, was nach den Koalitionsverhandlungen noch übrig bleibt. Vorstöße, das Zieldreieck zu erweitern, gibt es immer wieder. Was in der vierten, fünften, sechsten Ecke stehen soll, ist sehr vielfältig: Bürger-Teilhabe, Akzeptanz, Nachhaltigkeit, soziale Implikationen… Das sind so viele Ziele, mit dem Dreieck fahren wir ganz gut.

      Vielen Dank für die sprachlichen Korrekturhinweise. Wir arbeiten stets an unserem Qualitätsmanagement. Inhaltlich behalten wir uns vor, zu dem Thema „Implikationen der Erhöhung des Anteils fluktuierender erneuerbarer Energien“ durch umfangreiches Analysieren von Daten und Studien sowie eigenen Szenarien und Modellierungen Marktwissen zu generieren. Erschreckendes Unwissen wird uns hier selten unterstellt. Wir gelten in der Energiebranche als neutrale Marktexperten. Die Aussagen, die sich aus unseren Analysen ableiten lassen, ordnen sich meist irgendwo zwischen den Extrempositionen der von Ihnen dargestellten Sichtweise „geht gar nicht“ und der bei bestimmten Marktakteuren geläufigen Sichtweise „ist gar kein Problem“ ein. Über eine Aufsummierung der bezahlten EEG-Umlage die Kosten der Energiewende abzuleiten, ist aus unserer Sicht methodisch ein höchst fragwürdiger Ansatz, der sich für einen Fachdiskurs nicht eignet. Sicher findet man zu jeder Meinung Studien, Vorträge und Artikel, die sie stützen und andere, die sie widerlegen.

      Die Fragestellung mit der EEG-Umlage haben wir in unserer Studie „Warum steigt die EEG-Umlage in 2014?“ untersucht. Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit in einer Stromversorgung mit hohem Anteil erneuerbarer Energien ist Thema in unserer Studie „Kalte Dunkelflaute“.

      Ein Schlüssel ist dabei Flexibilität, in unserer Studie „Flexibilitätsanforderungen und -optionen an Europas zukünftiges Stromsystem“ untersuchen wird den Markt für Flexibilität. Die Bundesnetzagentur stellt im Monitoringbericht eine gleichbleibend hohe Versorgungssicherheit fest. Hier ist eine Übersicht über die Entwicklung eines der Indizes.

      Persönliche Meinung des Autors Fabian Huneke:
      Meine persönliche Sicht der Dinge zum nationalen/europäischen Klimaschutz bei einem globalen Problem: Gerade bei einer geteilten Verantwortung tut jeder gut daran, seinem Anteil an der Gesamtverantwortung gerecht zu werden. Da sollte man sich keine Illusionen machen. Wenn sich die entwickelten Staaten das Recht herausnehmen, den Klimawandel zu ignorieren, wird niemand den ersten Schritt tun. Anders ausgedrückt: Mein persönliches Verhalten macht quantitativ nichts aus, trotzdem gehe ich zur Wahl und fahre kurze Strecken mit dem Rad. Wenden wir doch den kategorischen Imperativ auch konsequent in der Klimapolitik an und halten uns zumindest an die gesetzten Ziele.

      Mit freundlichen Grüßen
      Das Team von Energy Brainpool

  5. Dr.- Ing. Wolfgang Rasim

    20. Oktober 2017

    Liebes Team von Energy Brainpool,
    leider haben Sie meine auf Fakten beruhenden Kritiken (Zu T 1: „völlig irrelevant“; zu T 2: „Vorreiter“; zu Nachsätzen: „Kostenführer und sichere Versorgung“) nicht entkräften können, da es keine Argumente dagegen gibt. Sie verweisen ausweichend auf einige Studien.

    Zu T 1: In den VDI- Nachrichten ist neben meinem „Des Kaisers neue Kleider- Beitrag“ noch eine weitere Meinung: „Jährlich mehr CO2- Zertifikate“ zum „Braunkohleaussteig auf Probe“ erschienen. Diese Nachrichten werden von mehr als 150 000 deutschen Ingenieuren gelesen.

    Zu T 2: Kein Land der Welt folgt dem deutschen Vorreiter auch nur annähernd, d. h. bis 2050 80 bis 95 % zu dekarbonisieren. Soll schon wieder „am deutschen Wesen die Welt genesen?“
    Zur „optimalen Verwendung des Dargebots erneuerbarer Energien“ wusste schon Wilhelm Busch: “ Aus der Mühle schaut der Müller, der so gerne mahlen will.
    Stiller wird der Wind und stiller, und die Mühle stehet still.
    So geht’s immer wie ich finde, rief der Müller voller Zorn.
    Hat man Korn, so fehlt’s am Winde, hat man Wind, so fehlt das Korn Bundespräsident Dr. Frank- Walter Steinmeier 2012 als SPD- Fraktions¬chef: „Das ist ein einziges Gewürge … Die Energiewende ist an die Wand gefahren, bevor sie überhaupt begonnen hat.“ (Märkische Allgemeine Zeitung, 09.02.2012, S. 2).

    Zu meiner 520 Mrd. Euro- Kritik an Ihrem „Kostenführer“ der EE und Ihrer Antwort „Aufsummierung ….höchst fragwürdiger Ansatz“ erkenne ich, dass Sie die DICE- Consult- Studie (Uni Düsseldorf) nicht gelesen haben. Auch Minister Altmaier nannte 1 Billion Euro!!
    Da Sie viermal den Begriff „Markt“ verwenden, sehe ich, dass wir uns missverstehen. Ingenieure arbeiten trotz politischer unsinniger Vorgaben für unsere Versorgungssicherheit (FAZ 09.06.) und die Energiewende ist und bleibt die größte Kapitalvernichtung seit dem 2. Weltkrieg, bzw. nach MdB Arnold Vaatz: „Als ob man aus dem Flugzeug springt, obwohl der Fallschirm erst in zwei Jahren erfunden wird“. Ähnlich niederschmetternde Kritiken würden mehrere Seiten füllen.
    Freundliche Grüße
    Wolfgang Rasim

    • Lydia Bischof

      20. Oktober 2017

      Sehr geehrter Herr Dr. Rasim,

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir freuen uns über jedes Feedback auf unsere Beiträge – ob positiv oder kritisch. Sicherlich gibt es zu dem Thema unterschiedliche Meinungen. Das respektieren wir selbstverständlich. Gern stehen wir für einen konstruktiven, faktenbasierten Austausch auch außerhalb dieses Blogs zur Verfügung.

      Mit freundlichen Grüßen

      Das Team von Energy Brainpool

  6. Dr.- Ing. Wolfgang Rasim

    21. Oktober 2017

    Liebes Team von Energy Brainpool,
    nun werde ich noch konstruktiver und faktenbasierter, da der von Ihnen gepriesene Markt keine physikalischen Gesetze aushebeln kann (Physik- Prof. Kobe: „Der größte Feind der Energiewende ist das Ignorieren der physikalischen Gesetze, die ihr zugrunde liegen.“).

    – konstruktiv: Das EEG muss weg, da es nur den Wind- und Sonnenstromerzeugern, ihren Projektanten und den Haus- und Landbesitzern Geld in die Kassen spült, das von allen, auch den ärmsten Stromverbrauchern aufzubringen ist. 27 000 onshore- Windräder schaden vielen in der Nähe wohnenden Menschen, töten jährlich über 200000 Fledermäuse und -zigtausend Vögel. Gemäß den Statistiken der AG Energiebilanzen tragen sie zusammen mit den 1,6 Mio. PVA nur unwesentlich zur Verminderung der fossilen Stromerzeugung bei.

    – faktenbasiert: 2016 lieferten alle 28 000 Windräder und 1,6 Mio. PVA mit 118 Mrd. kWh lächerliche 4,7 % des Endenergieverbrauchs für Industrie, Verkehr, Haushalte, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen von 2 505 Mrd. kWh! Eine weitgehende Dekarbonisierung würde theoretisch zwanzigmal mehr dieser EE erfordern. Eine energietechnische Berechnung führt zu ca. 400 000 zusätzlichen Windrädern, wenn diese nur 67 % zur Dekarbonisierung beitragen sollten.
    Agora- Energiewende- Chef Dr. Patrick Graichen: „Wir haben uns geirrt bei der Energiewende. Nicht in ein paar Details, sondern in einem zentralen Punkt. Die vielen neuen Windräder und Solaranlagen, die Deutschland baut, leisten nicht, was wir uns von ihnen versprochen haben. Wir hatten gehofft…“ (DIE ZEIT, 4. Dez. 2014). Die Financial Times vom 26.11.2014 titelte: „The growing absurdity of German Energy policy“.
    Freundliche Grüße
    Wolfgang Rasim
    P. S.: Da in T 2 immer noch „… Speichern und Lastmangement…“ steht, während Sie den auch von mir monierten Fehler in T 1 („..auch nationaler..“) zu „…auch auf nationaler..“ korrigierten, kommen mir Zweifel, ob ich hier weiterhin meine Zeit verschwenden sollte. Ihnen wäre letzteres bestimmt auch lieber.

    • Hallo DIW Rasim,
      schon mal was von Klimawandel gehört?
      Wer sagt, dass Energie billig sein muss?
      Ich esse lieber 300g/Woche nachhaltiges Biofleisch anstatt 3kg konventionell produziertes! Wer hier schulmeisterisch „Zeitverschwendung“ schreibt, sollte lieber zu Haus bleiben.

      • Lydia Bischof

        6. November 2017

        Sehr geehrter Herr Pasternak,

        vielen Dank für Ihren Beitrag.

        Mit freundlichen Grüßen

        Das Team von Energy Brainpool

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