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Neue Studie zeigt, wie idealer Kohleausstieg in Deutschland bis 2030 funktionieren kann

Deutschland kann trotz einer Abkehr von russischen Energierohstoffen bis zum Jahr 2030 komplett aus der Kohleverstromung aussteigen – bei voller Versorgungssicherheit.  Die Kernergebnisse einer neuen Studie von Energy Brainpool im Auftrag der Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy sind in der folgenden Pressemitteilung zu lesen.

Hamburg, 31. Mai 2022 – Deutschland kann trotz einer Abkehr von russischen Energierohstoffen bis zum Jahr 2030 komplett aus der Kohleverstromung aussteigen – bei voller Versorgungssicherheit. Zudem lässt sich der CO2-Ausstoß dabei sogar noch deutlich absenken. Voraussetzung dafür ist, dass die Erneuerbaren Energien zugleich unter Hochdruck ausgebaut werden. Das sind die Kernergebnisse einer neuen Studie des Analyseinstituts Energy Brainpool im Auftrag der Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy. „Die Bundesregierung darf den schnellen Kohleausstieg nicht verschleppen. Die neue Studie zeigt, wie wir auch angesichts des Ukraine-Krieges das nötige Tempo halten können – und den Klimaschutz sogar noch verstärken können“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Green Planet Energy.

Im Sinne eines größtmöglichen Klimaschutzeffekts schlägt Energy Brainpool eine konkrete Abschaltreihenfolge für die deutschen Kohlekraftwerke vor: Zuerst stillgelegt werden müssen demnach besonders ineffiziente, schmutzige Braunkohlemeiler, während am Ende der vorgeschlagenen Abschaltliste moderne Steinkohlekraftwerke mit hohem Wirkungsgrad stehen. Durch diese für den Klimaschutz optimierten Abschaltreihenfolge können laut Studie bis zu 310 Millionen Tonnen CO2-Emissionen zusätzlich eingespart werden. „Weil in diesem Fahrplan zuerst zahlreiche Braunkohlemeiler stillgelegt werden, lassen sich außerdem Tagebaue so beenden, dass dort keine weiteren Dörfer mehr abgebaggert werden müssen“, sagt Sönke Tangermann.

Die in der Politik diskutierte Idee, den Kohleausstieg zunächst zu verzögern, um russisches Erdgas in der Stromerzeugung zu ersetzen, führt laut Studie hingegen nur zu minimalen Effekten: „Durch den Ersatz von Gaskraftwerken bei der Stromproduktion durch Kohlekraftwerke kann nur rund ein Prozent der deutschen Erdgasnachfrage eingespart werden, maximal sechs Terawattstunden im Jahr“, so Fabian Huneke von Energy Brainpool. Zugleich, so Huneke, würden dadurch aber zusätzliche 55 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Nach Analyse des Energieexperten ist nicht ein späterer Kohleausstieg, sondern eine schnellere Wärmewende ein wichtiger Faktor für geringeren Gasverbrauch. Gas wird hauptsächlich im Wärmebereich genutzt, weshalb Maßnahmen zur Energieeinsparung im Wärmesektor wie der Einbau von Elektrodenkesseln in KWK-Anlagen, ein schneller Umstieg auf Wärmepumpen und effizientes Heizen besonders wirkungsvoll sind.

Um die zügige Abschaltung klimaschädlicher Kohlekraftwerke mit ihrer Gesamtkapazität von 29 Gigawatt kompensieren zu können, ist allerdings nicht nur ein entschlossener Ausbau Erneuerbarer Energien nötig. Darüber hinaus sinnvoll und hilfreich wären auch Produktionsanpassungen bei den Energieverbrauchern, vor allem bei der chemischen Industrie. So benötigt allein die Ammoniak-Herstellung hierzulande jährlich 28 Terawattstunden Erdgas. Die Verlagerung dieser Produktion in sonnenreiche Länder könnte gewaltige Mengen fossiles Erdgas hierzulande einsparen. Zugleich könnte die Ammoniak-Herstellung auch klimafreundlicher werden, indem der hierfür produzierte Wasserstoff mithilfe von Solarstrom erneuerbar produziert wird.

Auch als Erdgasersatz und als Flexibilitätsoption im deutschen Energiesystem spielen grüner Wasserstoff und dafür ausgelegte Gaskraftwerke laut Energy Brainpool eine tragende Rolle: Um diesen grünen Wasserstoff im Sinne der Energiewende vor allem mithilfe von Ökostrom-Überschüssen zu erzeugen, müssten bis 2030 hochflexible Elektrolyseure mit einer Leistung von bis zu 20 Gigawatt gebaut werden. Das ist doppelt so viel wie aktuell von der Bundesregierung vorgesehen. „Hier spielen vor allem kleinere, dezentral installierte Elektrolyseure eine wichtige Rolle“, erklärt Sönke Tangermann, „die deutsche Wasserstoffstrategie sollte dringend um diesen Punkt ergänzt werden.“

Die Kurzstudie von Energy Brainpool finden Sie zum Download unter https://www.energybrainpool.com/fileadmin/download/Studien/Studie_2022-05-21_GPE_Kohlestudie_EnergyBrainpool.pdf

Autor der Pressemitteilung: Christoph Rasch (Pressesprecher/Teamleitung Kommunikation GPE)

Über Green Planet Energy
Die Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy – vormals Greenpeace Energy – ist 1999 aus einer Stromwechselkampagne von Greenpeace Deutschland hervorgegangen und zählt mit rund 28.500 Genossenschaftsmitgliedern und mehr als 215.000 Strom- und Gaskund:innen zu den wichtigsten Ökoenergieanbietern in Deutschland.

2 Kommentare

  1. Green planet energy sagt doch schon alles. War vormals Greenpeace Energy. Die haben leider nur das Ziel, so sicher wie möglich aus der Kohleverstromung auszusteigen, egal was es kostet. Leider wird hier übersehen, dass die Primäre Regelenergie gegen Null geht. Diese ist aber unabdingbar für die Überbrückung von Netzschwankungen durch schlagartigen Ausfall von Komponenten der Stromerzeugung oder Leistungsanforderung großer Verbrucher. Nur diese primäre Regelenergie kann für bis zu ca. 20 Sekunden das Netz stabil halten in Spnnung und Frequenz, weil die Leistung durch schwere rotierende Massen wie Turbinen und Generatoren zur Verfügung gestellt wird, ehe dann Pumpspeicherkraftwerke (sekundäre Regelenergie) einspringen können und nach weiteren 30 Minuten von Gaskrftwerken (dritte Regelenergiestufe) abgelöst werden. Anderenfalls bricht das deutsche Stromnetz innerhalb Sekunden zusammen, Grenzkuppelübergangsschalter zu anderen Ländern öffnen weil diese Länder nicht in diesenMangel hineingezogen werden möchten bzw. das restliche europäische Stromnetz geschützt wird

    • Lydia Bischof

      27. Juli 2022

      Hallo Herr Cremer,

      vielen Dank für Ihre Meinung und Ihr Interesse an unserem Blogbeitrag.

      Viele Grüße

      Das Team von Energy Brainpool

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