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Blog by Energy Brainpool GmbH & Co. KG

Kohleausstieg – Stilllegung von über 16 GW bis 2020 möglich

Im Auftrag von Greenpeace e. V. hat Energy Brainpool in einer Kurzanalyse die Stilllegung von Kohlekapazitäten bewertet. Um die Klimaziele von 2020 zu erreichen, müssen sowohl zusätzliche Braun- und Steinkohlekapazitäten stillgelegt werden. Wie sich diese Abschaltungen auf die Versorgungssicherheit und noch mögliche Emissions- und Stromkontingente für Kohlekraftwerke auswirkt, lesen Sie in diesem Artikel.

Die Kurzanalyse bewertet einen Kohleausstiegspfad, nach dem bis 2020 Kohlekraftwerke mit einer Erzeugungskapazität von 16,64 GW den Strommarkt verlassen. Die Analyse beruht auf der Studie “Klimaschutz durch Kohleausstieg“, die Energy Brainpool 2017 im Auftrag für Greenpeace erstellte.

Klimaziel durch Stilllegung von Kohlekapazitäten

Das deutsche Klimaziel gibt Emissionen in der Höhe von 750 Millionen Tonnen (Mt) CO2 für 2020 vor. Bezogen auf 1990 ist dies ein Rückgang um 40 Prozent. Das BMUB kalkuliert gemäß eines internen Dokuments vom 4. Oktober 2017, dass mit Fortführung der gegenwärtigen Maßnahmen das Emissionsminderungsziel um 104 bis 94 Mt verfehlt und lediglich eine Reduktion um 31,7 bis 32,5 Prozent erreicht würde. Diese Entwicklung zeigt, dass ein sehr deutliches Verfehlen des Klimaziels nur durch zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen verhindert werden kann. Eine mögliche Maßnahme mit signifikantem kurzfristigem Emissionsminderungspotenzial ist es, Kraftwerken zur Kohleverstromung still zu legen.

Derzeit ist eine Stilllegung von 4,86 GW aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit angedacht. Tabelle 1 zeigt den derzeitigen Bestand, bereits politisch beschlossene und noch laut Szenario zu beschließende Abschaltungen von Kohlekapazitäten.

Derzeitiger Bestand, beschlossene und laut Szenario notwendige zusätzliche Stilllegung von Kohlekraftwerken bis 2020. (Quelle: Bundesnetzagentur 2017)

Tabelle 1: Derzeitiger Bestand, beschlossene und laut Szenario notwendige zusätzliche Stilllegung von Kohlekraftwerken bis 2020 (Netto-Nennleistung). (Quelle: Bundesnetzagentur 2017)

Der Rückbau von 14,26 GW (+ 2,38 GW Sicherheitsbereitschaft) Kraftwerkskapazitäten erfolgt auf Grund von europäischen Überkapazitäten bis 2020 ohne Versorgungsengpässe. Auch bei Stilllegung von 14,26 GW zusätzlich zur schon beschlossenen Sicherheitsbereitschaft für Braunkohlekraftwerke (Tabelle 1) steht bis 2020 eine deutlich positive Leistungsbilanz von knapp 4 GW zur Verfügung. Die Leistungsbilanz drückt aus, wie viel Leistung im Extremfall zur Nachfragedeckung zur Verfügung steht. Zunehmende Flexibilität und neue steuerbare Erzeugungskapazität werden jedoch in der folgenden Dekade notwendig sein.

Emissions- und Stromkontingente

Wie Abbildung 1 veranschaulicht, wird bei Stilllegung von Kohleerzeugungskapazitäten nach Modellierung eine schrittweise Reduktion der jährlichen Emissionen erreicht. Hierbei können die Emissionen aus der Verstromung von Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Öl bis 2020 gegenüber 2015 um 88 Mt/a gesenkt werden. Emissionsreduktionen in Höhe von etwa 6-16 Mt müssten für die Erreichung des Klimaziels von 2020 noch in anderen Sektoren erbracht werden.

Abbildung 1: Jährliche CO2-Emissionen (bis 2020) aus der Verstromung von Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Öl als Ergebnis der Strommarktmodellierung bei einem Kohleausstieg bis 2030

Aus der Modellierung ergibt sich ein erlaubter kumulierter CO2-Ausstoß von 1.470 Mt durch Braun- und Steinkohlekraftwerke vom Jahr 2015 bis zum Zieljahr 2020. Nach jetztigem Stand und Modellierung werden bis zum 1. Januar 2018 schon 822 Mt oder 56 Prozent dieser Emissionen ausgestoßen. Um innerhalb des modellierten Emissionskontingents von 1.470 Mt zu bleiben, ist für den Zeitraum von 2018 bis 2020 noch 648 Mt an CO2-Emissionen durch Verstromung von Braun- und Steinkohle möglich (siehe Abbildung 2).

Kumulierte CO2-Emissionen (bis 2020) aus der Verstromung von Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Öl als Ergebnis der Strommarktmodellierung bei einem Kohleausstieg bis 2030

Abbildung 2: Kumulierte CO2-Emissionen (bis 2020) aus der Verstromung von Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Öl als Ergebnis der Strommarktmodellierung bei einem Kohleausstieg bis 2030

Verschiedene Zeiträume können nun mit den modellierten Emissionskontingenten für Kohle dargestellt werden. Die Reststrommenge, die dem modellierten Kohleausstiegsplan genügt, liegt bei 668 TWh für den Zeitraum von 2018 bis 2020. Dies entspricht einer jährlich sinkenden Bruttostromerzeugung aus Kohlekraftwerken um 14,85 Prozent. Im Bezugszeitraum von 2021 bis 2030 stehen dementsprechend nur noch 903 Mt CO2-Emissionen und 978 TWh Reststrommenge für Kohlekraftwerke zur Verfügung.

2 Kommentare

  1. Hans-Henning Flessner

    16. November 2017

    Der Artikel ist vollkommen unverständlich. 2018, 2019, 202 sollen weniger Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Öl verbrannt werden. In der kurzen Zeit lassen sich die EE kaum sehr stark ausbauen. Woher kommt dann der Strom? Aus dem Ausland?

    • Lydia Bischof

      17. November 2017

      Sehr geehrter Herr Flessner,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Die zusammengefasste Antwort aus den Erkenntnissen der Studie „Klimaschutz durch Kohleausstieg“ lautet in etwa: Stromexporte – derzeit Nettoexporte von etwa zehn Prozent der Stromerzeugung – reduzieren. In nachfragestarken bzw. wind- und sonnenschwachen Zeiten kommt 2020 mehr Strom aus bestehenden und später (Kernkraftausstieg!) auch neuen Gaskraftwerken sowie über die Nachbarländer. Da im EU-Strommix auch (aber weniger) CO2-behafteter Strom dabei ist, wird ein Teil der Klimawirkung „aufgefressen“. Der Nettoeffekt in der europäischen Klimabilanz ist aber auch europäisch deutlich spürbar. Mittel- und langfristig haben Sie völlig recht: Eine größere Zubaurate erneuerbarer Energien ist notwendig.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ihr Team von Energy Brainpool

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