© ket4up / Fotolia &
© Renáta Sedmáková / Fotolia

Energy BrainBlog

Blog by Energy Brainpool GmbH & Co. KG

Erneut negative Strompreise am Markt

Am Montag, den 11. September 2017 traf eine hohe Stromerzeugung aus Windkraftanlagen auf eine niedrige Nachfrage. In der Nacht  über einen Zeitraum von vier Stunden traten negative Strompreise auf. Die Erzeugungsmengen sind dabei nicht vom §51 EEG 2017 betroffen. Damit steigt die Anzahl negativer Preise auf…

…59 Vorfälle in diesem Jahr. Am Montag, den 11. September 2017 lagen die Strompreise für Deutschland am Day-Ahead-Spotmarkt der EPEX Spot für vier Stunden unter 0 EUR/MWh. Der tiefste Wert war bei minus 2,77 EUR/MWh (siehe Abbildung 1). Die Preise in Frankreich blieben während dieser Zeit positiv, jedoch auch auf sehr geringem Niveau.

Strompreise Day-Ahead Deutschland und Frankreich. Quelle: EPEX SPOT SE, eigene Darstellung

Abbildung 1: Strompreise Day-Ahead Deutschland und Frankreich. Quelle: EPEX SPOT SE, eigene Darstellung

Windkraftanlagen erzeugten über 26 Gigawatt und deckten die Nachfrage mit knapp 60 Prozent. Das zeigen Daten von ENTSO-E Transparency. Dabei erzeugten Windkraftanlagen an Land circa 22 Gigawatt und Windkraftanlagen auf See vier Gigawatt. Die Erzeugung der steuerbaren, fossilen Kraftwerke verringerte sich deutlich. Steinkohlekraftwerke produzierten deutlich weniger Strom. Sie verringerten die Erzeugung um fast 80 Prozent gegenüber der höchsten Erzeugung am Montag. Braunkohlekraftwerke verringerten ihre Erzeugungsleistung von 13,7 Gigawatt auf 8,5 Gigawatt in den Nachtstunden und erhöhten die Produktion zum Morgen hin wieder.

Die Kernenergie verringerte die Leistung um über drei Gigawatt (-36Prozent gegenüber dem Tageshöchstwert). Das entspricht der Leistung von drei Kernkraftwerken. Pumpspeicherkraftwerke nahmen zeitgleich etwa vier Gigawatt an Erzeugungsleistung zur Speicherung auf. Eine signifikante Reduktion der Erzeugung der Biomasseanlagen (minus zwei Prozent), Laufwasserkraftwerken (minus drei Prozent) und Müllkraftwerken (minus drei Prozent) ist in den Daten von ENTSOE Transparency nicht erkennbar. Abbildung 2 zeigt das Erzeugungsverhalten und die Nachfrage für Sonntag und Montag.

Stromerzeugung und -nachfrage in Deutschland Quelle: ENTSO-E Transparency, eigene Darstellung

Abbildung 2: Stromerzeugung und -nachfrage in Deutschland Quelle: ENTSO-E Transparency, eigene Darstellung

Am Sonntag, den 10. September 2017, erzeugten Solar- und Windkraftanlagen am Nachmittag zusammen über 27 Gigawatt. Durch eine höhere Nachfrage als in den Nachtstunden des Montags sowie der Flexibilität der fossilen, konventionellen Kraftwerke fielen die Preise nur auf knapp unter 10 EUR/MWh. An beiden Tagen exportierte Deutschland durchgängig Strom. Bis zu acht Gigawatt konnten zeitweise an andere Länder verteilt werden. Abbildung 3 stellt den Verlauf des Saldos aus Im- und Exporten von Deutschland dar. Negative Werte repräsentieren Exporte. Physische Flüsse an den Grenzen sind tatsächliche Stromflüsse zwischen den Ländern. Sie entstehen durch die jeweilige Erzeugungs- und den Verbrauchssituation aller verknüpften Länder.

Saldo Import-Export Deutschland. Quelle: ENTSO-E Transparency, eigene Darstellung, physische Flüsse

Abbildung 3: Saldo Import-Export Deutschland. Quelle: ENTSO-E Transparency, eigene Darstellung, physische Flüsse

Was sind negative Strompreise? Die Epex Spot definiert sie wie folgt: „Ein negativer Preis ist ein Preissignal auf dem Strommarkt, welches auftritt, wenn eine hohe unflexible Stromerzeugung auf eine schwache Nachfrage trifft. Unflexible Stromquellen können nicht kurzfristig und ohne hohen finanziellen Aufwand herunter- und wieder hochgefahren werden. Erneuerbare Energien zählen dazu, denn ihre Erzeugung ist von externen Faktoren abhängig (Wind und Sonne).“

Negative Strompreise haben also ihre Ursache nicht in einem Überschuss an Erneuerbaren Energien, sondern in der mangelnden Flexibilität von Kernkraftwerken, Braunkohle-Kraftwerken und KWK-Anlagen.

Anmerkung:

Erzeugung, Nachfrage und physische Flüsse basieren auf Echtzeit-Daten, während die Strompreise in Abbildung 1 Day-Ahead-Werte darstellen. Zwischen dem Day-Ahead-Handel und der tatsächlichen Stromerzeugung sowie dem Stromverbrauch liegen der Intraday-Handel, Regelenergie und unerwartete Ereignisse. Deshalb können die Daten des Stromsystems nicht allein zur Interpretation und Erklärung der Strompreise am Day-Ahead-Spotmarkt verwendet werden.

Erzeugungsdaten von ENTSO-E Transparency sind nur teilweise vollständig. Vor allem Steinkohle- und Gaserzeugung haben einen geringen Abdeckungsgrad verglichen mit anderen öffentlichen Quellen.

2 Kommentare

  1. Hallo Herr Goetz,

    ich habe eine Anmerkung zu Ihrer Abbildung 2, die in der abgebildeten Form m.E. den gegenwärtigen Standard zur Darstellung von Stromangebot und Nachfrage widerspiegelt.

    Durch die Reihenfolge in der die einzelnen Energieerzeugungsarten abgetragen sind (v.u.n.o: Biomasse, Kernenergie, Braunkohle, Andere, …., Solar, Wind) wird m.E. suggeriert, dass die fluktuierenden Erneuerbaren Energien ursächlich für den gezeigten Überschuss seien. In Text merken Sie m.E. zu Recht an, dass dies eben nicht der Fall ist, sondern die Ursache in der mangelnden Flexibilität von Kernkraftwerken, Braunkohle-Kraftwerken und KWK-Anlagen liegt. Böte es sich daher nicht an, die Reihenfolge in dieser so oft gezeigten Darstellung umzudrehen?

    Dies aber nur als Idee und Anregung.

    Viele Grüße
    Manfred Dittmer

    • Lydia Bischof

      9. Oktober 2017

      Guten Tag Herr Dittmer,

      vielen Dank für Ihre Anregung. Die Reihenfolge der Kraftwerke richtet sich nach der „Regelbarkeit“ der jeweiligen Technologie, also wie stark der Kraftwerksbetreiber Einfluss auf die Stromerzeugung nehmen kann. In der Darstellung sieht man, wie steuerbare Kraftwerke (Kern-, Kohle und Gaskraftwerke) ihre Erzeugung verändern. In der Abbildung zeigen sich auch die Unterschiede zwischen steuerbaren und fluktuierenden, erzeugenden Technologien.

      Freundliche Grüße,

      Ihr Energy Brainpool Team

Kommentare sind geschlossen.