Mehrere Medienberichte handelten zu Jahresbeginn von den Rekordkosten infolge der Redispatch-Maßnahmen der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), insbesondere von TenneT. Die Maßnahmen kosteten im Jahre 2017 fast eine Milliarde EUR, über die Netzentgelte zahlen diese alle Stromverbraucher. Die Hauptursache für die Menge an Netzeingriffen war – dies legen die Transparenzdaten der Netzbetreiber nahe – die angespannte Netzsituation im 1. Quartal 2017 insbesondere aufgrund fehlender gesicherter Kernkraftwerksleistung in Frankreich bei hoher Stromnachfrage.

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Ungewöhnlich viele Redispatch-Maßnahmen zeigten sich im Januar und Februar 2017. Abbildung 1 zeigt im Januar über 3 TWh an Redispatch-Arbeit. Insgesamt betrug die Summe an Redispatch-Arbeit 11,3 TWh . Die ÜNBs mussten im Januar also mehr als dreimal so viel einzuspeisende Strommengen zwischen den deutschen Kraftwerken umverteilen, wie im November oder Dezember. Hinzu kommt noch eine wahrscheinlich bedeutsame Menge an Redispatch-Arbeit von Kraftwerken im Ausland, die von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern angefordert wurde. Diese Arbeit ist nicht Teil der Meldungen auf der Netztransparenzplattform und somit eine unbekannte Größe, der Quartalsbericht der Bundesnetzagentur legt jedoch nahe, dass auch diese Mengen ungewöhnlich hoch waren. Gleichzeitig zeigt Abbildung 1 im Januar eher unterdurchschnittliche Erzeugungsmengen von Wind- und Solaranalgen. Eine sehr hohe Einspeisung vor allem der Windenergie ergab sich insbesondere im Herbst. Der Oktober (12,48 TWh) und Dezember (14,7 TWh) waren die Monate mit den bisher höchsten Windeinspeisungen in Deutschland, die Redispatchmengen waren jedoch nicht sonderlich hoch.

(Rote und blaue Fläche) Monatliche PV- und Windenergie-Einspeisung (Quelle: ENTSO-E) und (Oranger und gelber Balken) Erhöhte bzw. reduzierte Redispatch-Arbeit (Quelle: Netztransparenz) in Deutschland im Januar 2017; eigene Darstellung

Abbildung 1: (Rote und blaue Fläche) Monatliche PV- und Windenergie-Einspeisung (Quelle: ENTSO-E) und (Oranger und gelber Balken) Erhöhte bzw. reduzierte Redispatch-Arbeit (Quelle: Netztransparenz) in Deutschland im Januar 2017; eigene Darstellung

(Rote und blaue Fläche) PV und Windenergie-Einspeisung in Deutschland im Jahr 2017 (Quelle: ENTSO-E). (Orange Kurve) Kumulierte Redispatch-Arbeit (Quelle: Netztransparenz); eigene Darstellung

Abbildung 2: (Rote und blaue Fläche) PV und Windenergie-Einspeisung in Deutschland im Jahr 2017 (Quelle: ENTSO-E). (Orange Kurve) Kumulierte Redispatch-Arbeit (Quelle: Netztransparenz); eigene Darstellung

Im Januar 2017 beträgt die Korrelation zwischen Windenergie-Einspeisung und Redispatch-Arbeit 61 %. Das bedeutet, ein wesentlicher Anteil der Schwankung der Reispatch-Arbeit lässt sich durch die Schwankung der Windeinspeisung erklären. Anderseits erklärt dieses Korrelationsmaß nicht das hohe Niveau der Redispatcharbeit im Januar und Februar, denn im Laufe des Jahres ergaben sich Phasen mit deutlich weniger Redispatch-Arbeit bei deutlich mehr Windeinspeisung. Eine Analyse des BDEW[1] erklärt, dass die immens gestiegene Redispatch-Arbeit im Januar durch die Kernkraftausfälle in Frankreich zu erklären sind.

Die Betrachtung dreier Zeitpunkte im Jahre 2017 zeigt, dass die Windenergieeinspeisung nur einer der Faktoren ist, der die Redispatcharbeit beeinflusst.

Zeitpunkt 1: Obwohl am Samstag, den 21. Januar 2017, sehr wenig Windenergie eingespeist wurde, sind ungefähr 115 GWh an Redisptacharbeit angefallen. Auch im Zeitraum darum zeigte sich wenig Wind- und Solareinspeisung bei deutlich überdurchschnittlicher Redispatcharbeit.

Zeitpunkt 2:Am Sonntag, den 29. Oktober 2017, wurden über 720 GWh Windenergie in das deutsche Netz eingespeist. Die Redispatch-Arbeit betrug jedoch nur 12 GWh. Die sehr hohe Windeinspeisung konnte also ohne große Redispatchmaßnahmen vom Netz aufgenommen werden und zu den Verbrauchszentren transportiert werden. In wie weit Windanlagen heruntergereglt wurden, lässt sich nicht feststellen.

Zeitpunkt 3: Am Donnerstag, den 7. Dezember, speisten Windanlagen über den Tag hinweg 744 GWh ein. Hier ist ein markanter Ausschlag der Redispatcharbeit zu sehen, 125 GWh Strom mussten die Netzbetreiber zwischen den deutschen Kraftwerken umverteilen. Das Netz zeigte sich nicht in der Lage, die hohe Windeinspeisung vom Ort der Einspeisung zu den Verbrauchszentren zu leiten.

Das Energy Brainpool-Fazit: Die singuläre Rückführung der hohen Redipatch-Kosten 2017 auf den hohen Windanteil in der Stromerzeugung geht an der Sache vorbei. In manchen Situationen lassen sich überdurchschnittliche Redispatchmengen auf eine überdurchschnittliche Windeinspeisung zurückführen, in anderen Situationen leitet das Netz auch sehr hohe Windeinspeisungen ohne Redispatch zu den Verbrauchern oder es gibt bei geringer Windeinspeisung hohe Redispatch-Mengen. Die Gründe für die hohen Redispatchkosten liegen, wie schon der Quartalsbericht der Bundesnetzagentur aufzeigt, an einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren im ersten Quartal 2017: Die unsichere Verfügbarkeit Französischer Kernkraftwerke führt zu einem Anfahren von Reserverkraftwerken auf Mindestlast, Niedrigwasser senkte die Einspeisung süddeutscher Kohlekraftwerke und einige weitere deutsche Kraftwerke waren ungeplant nicht verfügbar.

[1], 2 BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (2017), Redispatch in Deutschland; [online] https://www.bdew.de/media/documents/Awh_20171005_Bericht-Redispatch-Stand-Oktober-2017.pdf