Trotz des wirtschaftlichen Einbruchs in den ersten Monaten des letzten Jahres stieg der Stromverbrauch Chinas über das gesamte Jahr 2020 um fast 300 TWh. Die Anteile der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung nahmen zu. Speziell im letzten Quartal 2020 hat China mehr PV und Wind-Kapazitäten zugebaut, als in ganz Deutschland bis dato installiert sind.

Die chinesische Energiewende hat sich auch im Jahr 2020 weiterentwickelt. Der Anteil der thermischen Erzeugung, die zu über 90 Prozent aus Kohlekraft besteht, liegt immer noch, wie bereits in 2019, unter 70 Prozent (Quelle: China Energy Portal). Dies ist in Abbildung 1 dargestellt.

Anteile der verschiedenen Erzeugungstechnologien am chinesischen Strommix im Jahr 2020 (Quelle: Energy Brainpool), China 2020

Abbildung 1: Anteile der verschiedenen Erzeugungstechnologien am chinesischen Strommix im Jahr 2020 (Quelle: Energy Brainpool)

Der chinesische Kraftwerkspark hat mit 7623 TWh im vergangenen Jahr auch mehr als doppelt so viel Strom erzeugt, wie alle europäischen Länder zusammen. Trotz der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden wirtschaftlichen Einflüsse stieg dabei die gesamte chinesische Erzeugung im Vergleich zu 2019 um 298 TWh. Dieser Zuwachs allein entspricht mehr als 60 Prozent der gesamtdeutschen Stromerzeugung im Jahr 2020.

Anteil der Erneuerbaren nimmt im Corona-Jahr zu

Von diesem zusätzlichen Strombedarf von 300 TWh wurden 129 TWh aus thermischen Kraftwerken gedeckt. Im Vergleich dazu verzeichneten die erneuerbaren Energien, einschließlich Wasserkraft, einen Zuwachs von 151 TWh.

Den restlichen Zuwachs (17,5 TWh) lieferten Betreiber von neuen Kernkraftwerken. In Abbildung 2 ist diese jährliche Veränderung der Erzeugung aus verschiedenen Technologien im Jahresvergleich zwischen 2019 und 2020 dargestellt.

Änderung der Stromerzeugung verschiedener Technologien im Vergleich zum Vorjahr in TWh (Quelle: Energy Brainpool), China 2020

Abbildung 2: Änderung der Stromerzeugung verschiedener Technologien im Vergleich zum Vorjahr in TWh (Quelle: Energy Brainpool)

Betrachten wir den prozentualen Zuwachs (in Abbildung 3 dargestellt), ist zu erkennen, dass die Stromerzeugung in thermischen Kraftwerken im Vergleich prozentual weniger zunahm. Dies hängt mit dem hohen Niveau an bereits vor 2020 installierter Kapazität zusammen.

Die neue Stromerzeugung an Wind- und Solarenergie ist prozentual weitaus größer, da es hier in China bisher weniger Erzeugung gab. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Zuwachs aus der Kernkraft mit 5 Prozent geringer angestiegen (2019: 20 Prozent).

 Änderung der Stromerzeugung verschiedener Technologien im Vergleich zum Vorjahr in Prozent (Quelle: Energy Brainpool), China 2020

Abbildung 3: Änderung der Stromerzeugung verschiedener Technologien im Vergleich zum Vorjahr in Prozent (Quelle: Energy Brainpool)

Erneuerbare Kapazitäten verzeichnen Rekordzuwachs

Die erhöhte Erzeugung aus erneuerbaren Energien in China 2020 spiegelt sich auch in den neu installierten Kapazitäten wider. Denn die Kapazitäten an erneuerbaren Energien sind im letzten Jahr so stark angestiegen wie noch nie zuvor.

Während die Leistung an Wasserkraft nur um 14 GW anstieg, verzeichneten Solaranlagen einen Zuwachs von etwa 50 GW; die installierte Kapazität an Windkraft stieg sogar um 72 GW an. Im Vergleich: In Deutschland entsprach die gesamte installierte Leistung an PV-Anlagen 2020 54 GW und an Windenergie 63 GW. Damit liegt allein der Zubau an chinesischer PV-Kapazität im Jahr 2020 auf Höhe der gesamtdeutschen installierten Kapazität. Demgegenüber übersteigt der chinesische Zubau bei Windenergie sogar diesen Wert.

China war so in 2020 für knapp 50 Prozent des weltweiten Kapazitätszubaus erneuerbarer Energien verantwortlich. Die installierten Erzeugungskapazitäten der Erneuerbaren sind in Abbildung 4 dargestellt.

 installierte Kapazitäten erneuerbarer Energien in China in GW (Quelle: Energy Brainpool), China 2020

Abbildung 4: installierte Kapazitäten erneuerbarer Energien in China in GW (Quelle: Energy Brainpool)

Der größte Anteil des Zubaus an erneuerbaren Kapazitäten in China fand im letzten Quartal 2020 stand. Mit insgesamt 92 GW neu installierter Kapazität baute China im vierten Quartal 2020 mehr als das Dreifache an Erneuerbaren zu als noch im gleichen Quartal des Vorjahrs (Quelle: npr). Insbesondere die Windkraft erfuhr einen besonders starken Kapazitätszuwachs. Diese Entwicklung ist in Abbildung 5 dargestellt.

Zubau an Windkraftanlagen in GW nach Quartal (Quelle: chinaenergyportal), Energy Brainpool, China 2020

Abbildung 5: Zubau an Windkraftanlagen in GW nach Quartal (Quelle: chinaenergyportal)

Mit 57,5 GW an neuer Windkapazität in Q4 2020 verfünffachte sich der Zubau im Vergleich zum Vorjahresquartal fast. Dieser deutliche Anstieg im letzten Quartal des Jahres hängt insbesondere mit einer Ankündigung aus Peking zusammen, Subventionen für neue Onshore-Windkraftprojekte in China ab 2021 einzustellen. Durch den Ausfall der Subventionen im neuen Jahr gab es starke Anreize für die Anlagenbetreiber, die Anlagen bis zum Ende des Jahres noch fertigzustellen.

Aber auch der Zubau an Solarkapazität im letzten Quartal 2020 war mit 38,1 GW mehr als doppelt so hoch wie noch im Vorjahresquartal. Der Zubau an PV-Anlagen nach Quartal ist in Abbildung 6 dargestellt.

Zubau an PV-Anlagen in GW nach Quartal (Quelle: chinaenergyportal), Energy Brainpool, China 2020

Abbildung 6: Zubau an PV-Anlagen in GW nach Quartal (Quelle: chinaenergyportal)

E-Mobilität wächst in 2020 langsamer

Das Unternehmen Canalys veröffentlichte zuletzt die Verkaufszahlen an elektrischen Fahrzeugen in China für das Jahr 2020. Demnach wurden im letzten Jahr in China 1,3 Millionen elektrische Fahrzeuge verkauft. Zwar entspricht dieser Wert einem neuen Rekord, mit einem Jahreswachstum von nur 8 Prozent ist dies im weltweiten Vergleich jedoch wenig. Der weltweite Verkauf an Elektro-Fahrzeugen ist im Jahr 2020 um ganze 39 Prozent gestiegen.

Das niedrige Wachstum hängt unter anderem mit der chinesischen E-Fahrzeug-Politik zusammen. Durch mehrere politische Änderungen und durch Verbrauchersubventionen war der Markt zuletzt weniger stark gewachsen. So hatten Autohersteller Schwierigkeiten den Markt anzukurbeln, obwohl die chinesische Regierung den Übergang zu E-Fahrzeugen grundsätzlich unterstützt (Quelle: businesswire).

Chinas nationales Emissionshandelssystem startet in 2021

Auf Provinzebene wurde schon seit 2015 mit CO2-Emissionsmärkten experimentiert. In 2017 startete der Prozess ein nationales Emissionshandelssystem aus den Erfahrungen in den Provinzsystemen aufzubauen. Im Februar 2021 war es dann endlich soweit: Das nationale chinesische Emissionshandelssystem ging offiziell an den Start. Der Handel soll im Juli 2021 beginnen (Quelle: HFW).

Erste Phase betraf den Stromsektor

Die erste Phase umfasst allerdings nur den Stromsektor und damit etwa 30–40 Prozent der CO2-Emissionen des Landes und über 2200 Firmen. Zunächst werden etwa 70 Prozent der benötigten Verschmutzungszertifikate für die Jahre 2019 und 2020 kostenlos an die teilnehmenden Anlagen herausgegeben. Nach und nach jedoch wird jedoch die Allokation von Zertifikaten über Auktionen gesteuert. Im weiteren Verlauf ist es auch denkbar, dass Industriesektoren und der Flugverkehr im Inland vom Emissionshandel umfasst werden.

Der erwarteten Handelspreise liegen unter den derzeitigen Preisen des europäischen Emissionshandelssystems, mit Schätzungen zwischen USD 4–6/Tonne. Mit verstärkten Klimaschutzambitionen, könnte das nun weltweit größte Emissionshandelssystem (4 Gt) im Jahr 2030 Einnahmen von bis zu 25 Mrd. USD ermöglichen (Quelle: HFW, Euractive).

Starke Nachfrage im ersten Quartal 2021 durch Kohle gedeckt

Im ersten Quartal 2021 stieg die chinesische Stromnachfrage im Vergleich zu den Vorjahren stark an. Mit insgesamt 1.895 TWh liegt die nationale Stromerzeugung im Vergleich zum ersten Quartal 2020 um etwa 19 Prozent höher.

Gründe hierfür lagen in der verbesserten wirtschaftlichen Lage, aber auch den kältesten Wintermonaten seit Jahrzehnten. Der Zuwachs an Stromerzeugung in Q1 2021 im Vergleich zum Vorjahresquartal nach Technologie ist in Abbildung 7 zu sehen.

uwachs an Stromerzeugung in Q1 2021 im Vergleich zu Q1 2020 nach Technologie in Prozent und in TWh (Quelle: chinaenergyportal), Energy Brainpool, China 2020

Abbildung 7: Zuwachs an Stromerzeugung in Q1 2021 im Vergleich zu Q1 2020 nach Technologie in Prozent und in TWh (Quelle: chinaenergyportal)

Obwohl China seine Wind- und Solarkapazitäten in 2020 mit einer Rekordrate erweiterte, bedeutete der Anstieg der Stromnachfrage in Q1 2021 vor allem ein Wachstum der thermischen Erzeugung. So wurde der 19 prozentige Anstieg der Stromnachfrage zu etwa 82 Prozent (251 TWh von insgesamt 304 TWh) durch thermische Erzeugung gedeckt, die wiederum zu etwa 90 Prozent aus Kohlekraft besteht. Von der restlichen zusätzlichen Stromerzeugung entstanden nur 13 Prozent aus erneuerbaren Energien, wobei die Windenergie den Löwenanteil trug.

Energieziele im 14. Fünfjahresplan

Eines der bedeutendsten wiederkehrenden politischen Ereignisse in China ist die Bekanntgabe des Fünfjahresplans, das zentrale Planungs- und Zieldokument für die wirtschaftliche und politische Entwicklung des Landes in den kommenden fünf Jahren. Am 11. März 2021 hat die chinesische Regierung des 14. Fünfjahresplan (2021-2025) und die langfristigen Ziele bis 2035 verabschiedet.

Die energiewirtschaftlichen Ziele sehen eine 18-prozentige Reduktion der CO2-Intensität und eine 13,5-prozentige Reduktion der Energieintensität vor. Weiterhin wird erstmals von einer CO2-Emissionsobergrenze gesprochen, jedoch noch keine offizielle Grenze gesetzt (Quelle: CarbonBrief).

Konkrete Ziele rund um die Erneuerbaren

In der Ausarbeitung des Energieministeriums (NEA) zum 14. Fünfjahresplan für erneuerbare Energien wurden weitere konkrete Zahlen genannt. So soll die gemeinsame installierte Leistung von Wind und PV bis 2030 1200 GW erreichen.

Hinsichtlich der bis Ende 2020 installierten Leistung von Wind und PV müssten bis 2030 jährlich über 66 GW an neuen Kapazitäten installiert werden. Der Anteil von Wind- und Solarstrom soll von 9 Prozent in 2020 auf 11 Prozent in diesem Jahr und final auf 16,5 Prozent in 2025 ansteigen (Quelle: NEA).

China hat seit 2019 höhere CO2-Emissionen als die OECD-Ländern zusammen (Quelle: Reuters). Die Veränderungen des chinesischen Energiesystems hin zur angestrebten Kohlenstoffneutralität im Jahr 2060 sind demnach einer der wichtigsten Hebel für das Erreichen globaler Klimaziele.