Der Strompreis, ob am Termin- oder Spotmarkt, ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Dazu zählen die (erwartete) Nachfrage, die verfügbaren Kraftwerke (erneuerbar und konventionell) und die kurzfristigen Brennstoffkosten der eingesetzten Kraftwerke. Besonders stark beeinflussen diejenigen Kraftwerke den Strompreis, die entlang der Merit-Order gerade noch zur Deckung der Nachfrage benötigt werden. In der Regel sind es Steinkohle- und Gaskraftwerke, die die Preise setzen.

Eine energiewirtschaftlich spannende Kennzahl ist daher die Korrelation von Gas-, Steinkohle- und CO2-Preisen mit dem Strompreis. Diese wird im Folgenden untersucht.

Für die Analyse wurden die Terminmarktnotierungen für das jeweilige Frontjahr für Strom [1] , Gas [2], Steinkohle [3]  und CO [4] ab 2008 betrachtet. Die Brennstoff- und CO2-Preise wurden dabei in „Clean Coal“ und „Clean Gas“ umgerechnet. Sie geben, als Kombination aus Brennstoff- und spezifischen CO2-Kosten [5] des spezifischen Energieträgers, die kurzfristigen Grenzkosten von durchschnittlichen Kraftwerken am Terminmarkt wieder. Abbildung 1 zeigt den Verlauf dieser Kennzahlen seit 2008. Grundsätzlich zeigen die Strompreise und (clean) Brennstoffkosten einen ähnlichen Verlauf. Der Preisverlauf von Clean Coal und Clean Gas verläuft allerdings nicht parallel. Gleiches gilt auch bei der Betrachtung der reinen Brennstoffkosten, exklusive der CO2-Kosten. Der Kostenvorteil von Clean Coal gegenüber Clean Gas schwankt zwischen 2 und 20 EUR/MWh (siehe Abbildung 2).

Tagesnotierungen für Strom, Clean Gas und Clean Coal (Frontjahre)

Abbildung 1: Tagesnotierungen für Strom, Clean Gas und Clean Coal (Frontjahre), Quelle: Energy Brainpool

Vergleich Clean Brennstoffkosten (Coal und Gas)

Abbildung 2: Vergleich Clean Brennstoffkosten (Coal und Gas), Quelle: Energy Brainpool

Interessant ist auch, welchem dieser Brennstoffpreispfade der Strompreis stärker folgt. Zur Veranschaulichung und Analyse dieser Fragestellung zeigt Abbildung 3 die Korrelation zwischen Clean Coal bzw. Clean Gas und den korrespondierenden Strompreisen. Das angegebene Bestimmtheitsmaß [6] ist ein Maß für den linearen Zusammenhang: Ein Wert von 1 bedeutet einen perfekten linearen Zusammenhang. Aus Abbildung 3 liest man ab, dass der Strompreis zu 93 Prozent durch den Clean Coal-Preis bestimmt ist, während der Clean Gas-Preis ein geringeres Bestimmtheitsmaß von 62 Prozent aufweist. Auch auf Monatsbasis (keine Abbildung) ist deutlich erkennbar, dass die Korrelation zwischen Clean Coal und dem Strompreis mit wenigen Ausnahmen grundsätzlich höher ist als mit Clean Gas. Insbesondere sinkt die Korrelation mit dem Strompreis selten unter 50 Prozent, während die Korrelation mit Clean Gas häufig unter 50 Prozent liegt und sogar unter 5 Prozent fällt. Das bedeutet, dass der Strompreis zuweilen in einem sehr schwachen bis keinem Zusammenhang mit den Erzeugungskosten eines Gaskraftwerks steht.

Für den aktuellen Zeitraum (Abbildung 4, ab 2016) liegt die Korrelation6 mit Clean Coal dauerhaft hoch, während die Korrelation mit dem Clean Gas regelmäßig keine Korrelation mehr zu erkennen ist.

Korrelation zwischen Clean Coal bzw. Clean Gas und Strompreis (Tagesnotierungen) (2008-2016)

Abbildung 3: Korrelation zwischen Clean Coal bzw. Clean Gas und Strompreis (Tagesnotierungen) (2008-2016), Quelle: Energy Brainpool

Rollierendes Bestimmtheitsmaß zwischen Clean Coal bzw. Clean Gas und Strompreis

Abbildung 4: Rollierendes Bestimmtheitsmaß zwischen Clean Coal bzw. Clean Gas und Strompreis, Quelle: Energy Brainpool

Für Stromhändler sagt dies aus, dass die Entwicklung der (Termin-)Börsenpreise für Strom auf Entwicklungen am Steinkohlemarkt viel sensibler reagiert als auf Entwicklungen im Gasmarkt. Dabei sollte der Einfluss des CO2-Preises (trotz geringem Preisniveau) nicht unterschätzt werden: Die Korrelation in Abbildung 4 zwischen dem reinen Steinkohlepreis und dem Strompreis ist durchweg geringer als mit Clean Coal (also Steinkohle- inkl. CO2-Preis).

Für Betreiber von Steinkohlekraftwerken zeigt diese hohe Korrelation auch eine ebenfalls nicht unerhebliche Wechselbeziehung zwischen Strompreis und Clean Dark Spread, also dem Deckungsbeitrag 1 [7].  Diese Wechselbeziehung sinkt jedoch mit abnehmendem Wirkungsgrad (siehe Abbildung 5). Die bereits geringere und insbesondere stark schwankende Korrelation zwischen Clean Gas und Strompreisen führt zu einer entsprechend geringen Korrelation zwischen Strompreis und Clean Spark Spread, also dem Deckungsbeitrag 1 [8] für Gaskraftwerke (siehe Abbildung 6).

Das bedeutet für Betreiber von Gaskraftwerken, aber auch von Steinkohlekraftwerken mit geringen Wirkungsgraden, dass der Blick auf den Strompreis allein keine eindeutige Aussage über die Wirtschaftlichkeit des entsprechenden Kraftwerks zulässt. Insbesondere bei Gaskraftwerken ist zu beobachten, dass die Korrelation mit 12 Prozent bzw. 0 Prozent so gering ist, dass aus dem Strompreis nicht einmal eine Tendenz über die Wirtschaftlichkeit (hoher Strompreis = hoher Deckungsbeitrag 1) abzulesen ist. Insbesondere fällt in Abbildung 6 auf, dass hohe Strompreise von 60 bis 80 EUR/MWh nicht unbedingt zu positiven Clean Spark Spreads geführt haben. Der Zeitraum dieser hohen Strompreise lag in den Jahren 2008-2009, wo hohe Commodity-Preise zu hohen Strompreisen geführt haben und somit auch die Erzeugung aus Gaskraftwerken relativ teuer war.

Korrelation zwischen Strompreis und Clean Dark Spread (2008-2016)

Abbildung 5: Korrelation zwischen Strompreis und Clean Dark Spread (2008-2016), Quelle: Energy Brainpool

Korrelation zwischen Strompreis und Clean Dark Spread (2008-2016)

Abbildung 6: Korrelation zwischen Strompreis und Clean Dark Spread (2008-2016), Quelle: Energy Brainpool

Was können wir für die Zukunft daraus lernen? Der Atomausstieg bis 2022 führt zu einer Verkürzung der Merit-Order der konventionellen Kraftwerke. Je nach Ausbaupfad der erneuerbaren Energien kann sich damit die Einsatzhäufigkeit der in der Merit-Order nachrückenden Gaskraftwerke erhöhen. Damit steigt auch der Einfluss von Clean Gas auf die Strompreise. Der in der Politik diskutierte Kohleausstieg würde dieses Phänomen sogar noch beschleunigen.

 

[1] EEX, Base, Marktgebiet D/AT

[2] TTF

[3] API2, umgerechnet von US-$ in EUR auf Basis von zeitlich korrespondierende Wechselkursen

[4] EEX, EUA MidDec

[5] Umrechnungsfaktor für CO2-Preise: Gas: 0,2 t/MWh th; Steinkohle: 0,34 t/MWh th

[6] hier: 30 Tage rollierend, Formel: Bestimmtheitsmaß

Bestimmtheitsmaß

Bestimmtheitsmaß

[7] Deckungsbeitrag 1 = Stromerlöse – Brennstoffkosten (inkl. CO2) / Wirkungsgrad

[8] Deckungsbeitrag 1 = Stromerlöse – Brennstoffkosten (inkl. CO2) / Wirkungsgrad