In einer Analyse für Agora Energiewende und das China National Renewable Energy Centre (CNREC) hat Energy Brainpool die Stromversorgung Chinas untersucht. Deutlich wurde, dass sich das Stromsystem in einer rapiden Umstellungsphase befindet. Die Stromversorgung in China wird trotz einer insgesamt steigenden Stromproduktion effizienter und sauberer. Dank der zunehmend regenerativen Versorgung stagnieren die CO2-Emissionen seit 2013.

Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch in China entwickeln sich zunehmend nicht-linear, was nicht zuletzt an Effizienzmaßnahmen der energieintensiven Industrie liegt. Während seit 2010 das BIP um fast 90 Prozent gestiegen ist, wuchs der Primärenergieverbrauch um gerade einmal 20 Prozent. Die Energieintensität ist rückläufig (vgl. Abbildung 1).

Der Stromverbrauch in China ist seit 2010 um 1.720 TWh gestiegen. Der prozentual stärkste Anstieg mit 78 Prozent fand im Handel- und Dienstleistungssektor (Tertiärsektor) statt. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Dienstleistungssektor eine immer wichtigere Rolle in der chinesischen Wirtschaft einnimmt. Von 2015 auf 2016 ist der Stromverbrauch in China um gerade einmal 5 Prozent gestiegen.

Primärenergieverbrauch, Stromverbrauch und Energieintensität des BIP (bei konstanter Kaufkraftparität) 2010 bis 2016 mit Zielen für 2020 (indexiert, 2010=100)

Abbildung 1: BIP, Primärenergieverbrauch, Stromverbrauch und Energieintensität des BIP (bei konstanter Kaufkraftparität) 2010 bis 2016 mit Zielen für 2020 (indexiert, 2010=100), Quelle: Agora Energiewende

Gleichzeitig nehmen die erneuerbaren Energien eine immer bedeutendere Rolle ein. Seit 2010 ist ihr Anteil am Strommix um 7 Prozentpunkte gestiegen, während der Anteil von Kohle um 11 Prozentpunkte abnahm. Im Jahr 2016 ist die gesamte Stromproduktion Chinas um 5 Prozent bzw. 300 TWh gestiegen und lag damit bei 5.990 TWh. Abbildung 2 stellt dies dar. Zum Vergleich: In der Europäischen Union wurden 3.211 TWh Strom produziert.

Stromerzeugung p.a. nach Energieträger 2010 bis 2016; Der Anteil der erneuerbaren Energien steigt stärker an als die gesamte Stromproduktion

Abbildung 2: Stromerzeugung p.a. nach Energieträger 2010 bis 2016; Der Anteil der erneuerbaren Energien steigt stärker an als die gesamte Stromproduktion, Quelle: Agora Energiewende

Kohle machte in China den größten Anteil von 65 Prozent aus, die erneuerbaren Energien lieferten 25 Prozent. Während die Verstromung von Kohle zum Vorjahr nur um 1,3 Prozent anstieg, verzeichnete die Wind- und Solarstromproduktion ein Wachstum von 30 bzw. 72 Prozent. Atomstrom (+24 Prozent) und Gasverstromung (+13 Prozent) stiegen moderater an. Die Wasserkraft machte den Großteil der regenerativen Stromerzeugung aus (80 Prozent). Wind und PV werden über einen Einspeisevergütung gefördert und etablieren sich zunehmend: Wind erreichte einen Anteil von 4 Prozent und Solar 1 Prozent der Stromerzeugung wie Abbildung 3 zeigt.

Strommix in China 2010 und 2016: Der Kohleanteil sinkt, der Anteil der erneuerbaren Energien steigt

Abbildung 3: Strommix in China 2010 und 2016: Der Kohleanteil sinkt, der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, Quelle: Agora Energiewende

In 2016 wurden in China 34 GW neue PV-Kapazitäten installiert und damit ein neuer weltweiter Rekord aufgestellt. Der starke Zubau vor allem auch bei der Windenergie hat nicht nur Vorteile: Da der Großteil der Kapazitäten im Nordwesten Chinas installiert ist und in die Verbrauchszentren im Osten transportiert werden muss, kommt es vermehrt zu Netzengpässen. Gleichzeitig wurden den Kohlekraftwerken Volllaststunden garantiert. Beides zusammen führt zunehmend zu Abregelung von Windenergieanlagen, in 2016 im Schnitt 17 Prozent. In einigen Provinzen wie Gansu und Xinjang wird daher darüber nachgedacht, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu verlangsamen.

Um die geplanten Kapazitäten nach Abbildung 4 bis 2020 dennoch in das System integrieren zu können, fokussiert China sich zudem auf einen starken Ausbau der Stromnetze.

Installierte Stromerzeugungskapazitäten in China 2016 und 2020 in GW: Neuinstallation von mehr als 300 GW (+20 Prozent) sind geplant

Abbildung 4: Installierte Stromerzeugungskapazitäten in China 2016 und 2020 in GW: Neuinstallation von mehr als 300 GW (+20 Prozent) sind geplant, Quelle: Agora Energiewende

Hier finden Sie den gesamten Bericht in englischer Sprache zum Download:

https://www.agora-energiewende.de/fileadmin/Projekte/2017/JAW_China_2016/Agora_Energy-Transition-China-2016-EN_WEB.pdf