Bei der Beschaffung von Gas haben sich einige Besonderheiten entwickelt, die den Gasmarkt von anderen Rohstoffmärkten unterscheidet. Importunternehmen haben beispielsweise teilweise sehr langfristige Verträge mit Gasproduzenten (bis zu 20 Jahren), eine Bindung an Ölpreise und sogenannte Take-or-Pay Mengen, Flexibilitäten mit Grenzen. Ziel dieses Kapitels ist, Sie vertraut mit den Begrifflichkeiten zu machen, deren Bedeutung zu verstehen und Konsequenzen für die Energiewirtschaft abschätzen zu können.

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Ursprung der Ölbindung in Gasverträgen

Am Anfang des 20. Jahrhunderts konnte die Erdgasnachfrage noch aus heimischer Produktion gedeckt werden. Mitte der 1970er Jahre wurde Erdgas zunehmend populärer, was die Notwendigkeit von Importen zunehmend steigerte. Allerdings waren erhebliche Unsicherheiten sowohl beim Produzenten, als auch bei Gasimporteuren gegeben, da die Investition in Pipelines und weitere Infrastruktur sehr kapitalintensiv war.

Die Produzenten waren daran interessiert, Sicherheit im Bezug auf Absatz und Menge zu erlangen und somit Pipelines und Infrastruktur möglichst voll und gleichmäßig auszulasten.

Die Importeure und Verteilgesellschaften in Deutschland wollten zum einen Ihren Kunden Preise anbieten, die sie zum Kauf von Erdgas anstelle von Erdöl oder Kohle animierten, eine längerfristige Garantie über bezogene Mengen, damit eine Versorgungssicherheit bestand und gleichzeitig Flexibilität im Bezug auf jahreszeitlichen Schwankungen.

Laufzeiten und Mengen

Das Ergebnis war, dass beide Seiten ein Interesse an langfristigen Verträgen hatten, was Vertragslaufzeiten von teilweise über 20 Jahren zur Folge hatte. Beide Seiten fanden auch einen Kompromiss in Sachen Flexibilität und Auslastung der Pipelines. In den Verträgen wurde eine Mindestabnahmemenge bzw. eine Mindestlast angegeben, die der Importeur abnehmen musste. Konnte er das nicht, so wurde ihm trotzdem der Gesamtbetrag in Rechnung gestellt. Diese Mindestmenge wird auch als Take-or Pay (ToP) Menge bezeichnet. Gleichzeitig beinhalteten diese Verträge auch flexible Mengen, die der Importeur je nach Nachfrage abrufen konnte. Diese minimale und maximale Abnahmemenge kann auf eine Jahresmenge, aber genauso gut auf Monats- Tages oder auch Stundenmengen bezogen werden.

Ölpreisbindungen

Endkunden zu überzeugen, anstelle von Öl oder Kohle Erdgas einzusetzen, konnte teilweise mit dem Komfort einer Gasheizung erfolgen. Kohlekeller und Öltanks sollten der Vergangenheit angehören, genauso wie rußige Kamine und hastige Ölbestellungen, weil man vergessen hatte, den Tank im Auge zu behalten. Aber natürlich war für den Endkunden der Preis für Erdgas im Vergleich zu der Alternative Erdöl ein wichtiges Kriterium. Sollte er sich für eine Erdgasheizung entscheiden, musste er eine bestimmte Gewissheit haben, dass der zukünftige Erdgaspreis besser bzw. ähnlich zu dem war, den er für Heizöl hätte bezahlen müssen.

Der Erdgasversorger wollte dem Kunden das garantieren, aber um diese Möglichkeiten anbieten zu können, musste er den Einkauf so gestalten, dass sich der Einkaufspreis der bezogenen Mengen ebenfalls mit Ölpreisänderungen änderte. Dies wurde gelöst, in dem man den Gaspreis in den Bezugsverträgen einfach an den Ölpreis gekoppelt hat.

Gaspreisformel

Die Kopplung an den Ölpreis wird erreicht, indem man keinen festen Preis in die Gasverträge einsetzt, sondern eine Formel, mit der man den zu zahlenden Gaspreis mit Hilfe des Ölpreises ausrechnet.

Der Preis für eine kWh Erdgas errechnet sich zum Beispiel aus einem fixen Anteil und einem flexiblen Anteil. Der flexible Anteil setzt sich aus dem jeweiligen Preis für Öl zu einem Referenzpreis zusammen. Dieser Wert wird mit einem Ölbindungsfaktor multipliziert. 0,0049 ist der Heizwertfaktor zwischen Öl und Gas und wurde deswegen oft als Faktor herangezogen. Heute ist dieser Faktor frei verhandelbar.

Korrelation zwischen Öl- und Gaspreis

In Abbildung 1 sind die Kurven für HEL Rheinschiene (Heizöl) und dem Grenzübergangspreis für Erdgas. Dieser ist auf Basis von Erhebungen bei Erdgasimportunternehmen ermittelt worden, wie viel diese für den Import von Erdgas zu zahlen hatten, darf somit nicht mit dem Börsenpreis für Erdgas verwechselt werden. Es wird deutlich, dass Schwankungen im Ölpreis direkten Einfluß auf die Preise bei Erdgas haben. Allerdings fällt auf, dass ein Anstieg beim Öl erst mit einer gewissen Zeitversetzung auch zu einem Anstieg beim Erdgas führt.

Abbildung 1: Korrelation zwischen Öl- und Gaspreis durch Ölpreisbindung von Gas