Durch den COP24-Gipfel im polnischen Kattowitz stand der Klimaschutz im Dezember 2018 im Mittelpunkt. Dazu passend: Deutschland verbrauchte im Jahr 2018 weniger Energie. Die Energieeffizienz im Gebäudesektor lässt allerdings noch zu wünschen übrig, auch wenn das Gebäudeenergiegesetz kommt. Ebenso stockte der Ausbau der Windenergie in 2018, während er bei Photovoltaik (PV) zunahm. Die Preise haben sich im Dezember 2018 teilweise wieder stabilisiert.

Klimaschutz und der COP24-Gipfel in Kattowitz

Die Weltklimakonferenz in Kattowitz vom 2. bis zum 15. Dezember 2018 sollte der nächste Schritt für die Umsetzung des Pariser Klimaakkords werden. Es hatte zeitweise so ausgesehen, als würde es überhaupt keine Einigung der Weltgemeinschaft geben. Nach verlängerten Verhandlungen konnte zumindest ein Minimalkonsens festgelegt werden. Die USA, Russland und Saudi Arabien zeigten vor allem Eigeninteresse, um fossile Energieträger zu schützen. Von einem euphorischen Post-Paris-Gefühl war zumindest in Kattowitz nicht mehr die Rede.

Der größte Erfolg des COP24-Gipfel in Polen war die Verständigung auf gemeinsame und verbindliche Standards in der Berichterstattung der Staaten über Treibhausgasemissionen und Klimaschutzmaßnahmen. Ab 2024 wird es die ersten vergleichbaren Berichte geben. Anschließend sollen die Klimaschutzversprechen der Länder alle fünf Jahre überprüft werden. Auch die nationalen Klimaverpflichtungen oder Nationally Determined Contributions (NDCs), sollen bis 2020 vorliegen. Den IPCC-Bericht zu den Auswirkungen einer 1,5 Grad wärmeren Erde hat der Gipfel aufgrund von Widerstand vieler Erdölproduzenten allerdings nicht komplett befürwortet (Quelle: WRI).

Insgesamt können die Ergebnisse von Kattowitz als Minimalkonsens einer schwächeren Weltgemeinschaft mit weniger Ambitionen im Klimaschutz aufgefasst werden. So urteile auch Johan Rockström, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung: „Meine größte Sorge ist, dass der UN-Klimagipfel es nicht vermocht hat, die Klimapolitik so zu gestalten, dass sie die von der Wissenschaft klar aufgezeigten Klimarisiken jetzt tatsächlich wirkungsvoll begrenzt.“ (Quelle: Erneuerbare Energien)

Deutschlands Energieverbrauch sinkt deutlich

Nach Berechnungen der AG Energiebilanzen sank der Energieverbrauch Deutschlands in 2018 um fünf Prozent gegenüber 2017 und auf einen Wert von 12900 PJ. Dies ist der niedrigste Wert seit Anfang der 1970er Jahre, wobei alle fossilen Energieträger Rückgänge aufweisen. Nur der Verbrauch von erneuerbaren Energien nahm zu. Entsprechend geht die AG Energiebilanzen auch von sechs Prozent weniger energiebedingten CO2-Emissionen in 2018 aus im Vergleich zum Vorjahr. Abbildung 1 zeigt die geschätzte prozentuale Veränderung des Primärenergieverbrauchs 2018 verschiedener Energieträger.

Veränderung des Primärenergieverbrauchs in Deutschland in 2018 gegenüber 2017 in Prozent

Abbildung 1: Veränderung des Primärenergieverbrauchs in Deutschland in 2018 gegenüber 2017 in Prozent

Die Gründe für den starken Rückgang liegen insbesondere in der milden Witterung, den gestiegenen Preisen von Energieträgern in 2018 und Fortschritten bei der Energieeffizienz. Der Anteil erneuerbarer Energien konnte von 13 auf 14 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs zulegen.

Das Gebäudeenergiegesetz kommt in 2019

Auf über 170 Seiten und 113 Paragrafen fasst das „Gesetz zur Vereinheitlichung des Energiesparrechts für Gebäude“, kurz Gebäudeenergiegesetz (GEG), die EnEV, das Energiespargesetz und das EEWärmeG zusammen. Nach den ersten Ideen zum GEG aus dem Frühjahr 2017 liegt der Entwurf vor, welcher Ende Januar 2019 im Kabinett verabschiedet werden soll (Quelle: Energate).

Allerdings gibt es kaum Neues, denn das GEG schreibt bestehende Regeln weitestgehend fort. Die EnEV-2016-Anforderungen gelten weiterhin für neue und sanierte Gebäude und sollen als nationaler Niedrigst-Energiestandard auch die EU-Gebäuderichtlinie umsetzen. Leichte Anpassungen gibt es bei den Primärenergiefaktoren einiger Energieträger. Diese Faktoren werden genutzt, um die Energiebilanz eines Gebäudes zu berechnen. Insbesondere die Bedeutung von Solarstrom vor Ort für die Energieversorgung eines Gebäudes, wie auch die Nutzung von Biomethan oder neuen Erdgasheizungen wird bessergestellt als zuvor (Quelle: Energate).

Für einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand im Jahr 2050 reichen die Neuerungen nicht aus. Da in Deutschland Gebäude für etwa 40 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich sind, wären stringentere und verschärfte Anforderungen an Sanierung und Neubau notwendig (Quelle: Nabu).

EE-Ausbau in 2018: Wind verliert, PV nimmt zu

Der Fadenriss beim Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland ist 2018 Wirklichkeit geworden. Die FA Windenergie an Land hat im Dezember 2018 eine Analyse veröffentlicht zum Stand der Ausbausituation bis September 2018. So wurden im Zeitraum von Anfang Januar 2018 bis Ende September 2018 knapp 650 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 2073 MW in Betrieb genommen. Dies entspricht einem Rückgang um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und einem Nettozuwachs von nur 1908 MW. Die FA Windenergie an Land geht von einem Bruttozubau von 2400 bis 2900 MW für das gesamte Jahr 2018 aus.

Insbesondere die niedrige Zahl von neuen Genehmigungen von Windenergieanlagen könnte den weiteren Zubau auch bis in das Jahr 2020 und trotz der Sonderausschreibungen blockieren (Quelle: Erneuerbare Energien). Das Ziel von 65 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030 wird bei einem jährlichen Bruttoausbau von 3000 mW bis 2030 wohl verfehlt werden.

Etwas besser sieht die Lage bei der PV aus. Die Erzeugung aus PV-Anlagen im Jahr 2018 lag bei 46 TWh und deckte somit etwa acht Prozent des deutschen Bruttostromverbauchs ab. Außerdem zeigen die Meldedaten der Bundesnetzagentur, dass bis Ende November 2018 beinahe 2600 MW an neuer PV-Leistung zugebaut wurde. Dies bedeutet das im Jahr 2018 der Zubaukorridor für PV von 2400 bis 2600 MW das erste Mal seit 2013 wieder erreicht oder sogar überschritten wurde (Quelle: Montel).

Preise zum Ende des Jahres

Trotz der noch immer unklaren wirtschaftlichen Entwicklung für 2019 haben sich die Preise für CO2-Zertifikate im Dezember erhöht von zeitweise knapp über 20 EUR/Tonne auf beinahe 25 EUR/Tonne am 28.12.2018. Das weltweit gehandelte Öl hat jedoch im Vergleich zum November noch mal um etwa fünf USD/Barrel Federn gelassen und lag Ende Dezember 2018 bei 55 USD/Barrel. Das Zusammenspiel von steigenden CO2-Preisen, sowie erst steigenden und dann wieder fallenden Preisen für Kohle hat sich auch auf die Grundlastlieferung Strom für Deutschland ausgewirkt. So lag der Frontjahreskontrakt für 2019 am Ende seiner Handelsperiode bei knapp über 55 EUR/MWh. Das neue Frontjahr 2020 handelte am 28. Dezember 2018 wie in Abbildung 2 zu sehen niedriger bei etwa 48 EUR/MWh.

Preisentwicklung für den Frontjahresbase 2020 Deutschland von Ende November bis Ende Dezember 2018 (Quelle: Montel)

Abbildung 2: Preisentwicklung für den Frontjahresbase 2020 Deutschland von Ende November bis Ende Dezember 2018 (Quelle: Montel)

Am Spotmarkt haben sich die fast schon erwarteten negativen Preise über Weihnachten dieses Jahr nicht eingestellt. Die Windeinspeisung war hierfür zu gering. Der gemittelte Preis am Day-Ahead für die Tage vom 24. bis zum 26. Dezember lag hingegen auf dem höchsten Niveau seit 2010 bei 37,75 EUR/MWh. Nur in drei Stunden wurde ein negativer Preis erzielt (Quelle: Montel).

Abbildung 3 stellt die Stromerzeugung und Day-Aheadpreise im Dezember 2018 in Deutschland dar, und zeigt deutlich den Einbruch der Preise vom 8. bis zum 12. Dezember. Der niedrige Verbrauch an Tagen von Weihnachten bis zum Ende des Jahres war hingegen vor allem für die tieferen Preise in diesem Zeitraum verantwortlich. Mitte Dezember war hingegen die Erzeugung aus Gaskraftwerken vergleichsweise hoch und hat die geringe Erzeugung aus Wind und Solar ausgeglichen.

Stromerzeugung und Day-Ahead-Preise im Dezember 2018 in Deutschland, (Quelle: Energy Brainpool)

Abbildung 3: Stromerzeugung und Day-Ahead-Preise im Dezember 2018 in Deutschland, (Quelle: Energy Brainpool)