Der Tagesspiegel hat in seinem Online-Format “Background” am Freitag, den 7. September 2018 den Beitrag ” CO2-Preis bedrängt Kohlekraftwerke” veröffentlicht. Darin sind Fakten nicht eindeutig im Sinne von Energy Brainpool aufgeführt, die wir hier korrigieren.

Energy Brainpool
© Energy Brainpool

Beitrag im Tagesspiegel Background vom 7. September 2018: Innerhalb eines Jahres hat sich der CO2-Preis auf gut 20 Euro vervierfacht. Da stellt sich die Frage: Wie weit muss er noch steigen, um Braun- und Steinkohlekraftwerke aus dem Strommarkt zu drängen? Experten haben Antworten.

Die Ministerpräsidenten der Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Brandenburg, Armin Laschet (CDU) und Dietmar Woidke (SPD), sind sich einig: Die Braunkohle soll noch bis 2040 abgebaut werden. Der Energiekonzern RWE sieht das ähnlich und möchte den preisgünstigen Energieträger noch so lange wie möglich aus dem Boden holen – auch wenn er dafür Wälder roden muss. Doch einige in der Energiebranche fragen sich: Sind solche Zeiträume nicht obsolet, wenn der Preis für CO2-Emissionszertifikate weiter so steigt wie in den vergangenen Monaten? Muss die Kohle-Kommission der Bundesregierung ein Ausstiegsdatum irgendwann zwischen 2030 und 2040 politisch festlegen oder wird der treibhausgasträchtigste Energieträger allein durch den CO2-Preis viel früher aus dem Markt gedrängt?

Ein Blick auf die Zahlen: Der Preis für die Zertifikate ist innerhalb rund eines Jahres von fünf Euro je Tonne auf gut 20 Euro gestiegen. Auf die Merit Order, die Reihenfolge der kurzfristigen Grenzkosten der deutschen Kraftwerke, hat das schon jetzt Einfluss. „Neue Gaskraftwerke verdrängen ältere Steinkohlekraftwerke“, sagt Thorsten Lenck, Strommarktexperte beim Thinktank Agora Energiewende. Bei der Braunkohle sei es schwerer zu berechnen, wann es zu einem solchen Wechsel in der Reihenfolge komme. Der Grund: Unternehmen wie RWE geben nicht bekannt, wie hoch ihre Kosten für den Energieträger sind. Sie fördern ihn im Tagebau selber und müssen ihn nicht auf dem Weltmarkt kaufen, wie es bei der Steinkohle der Fall ist. Lencks Schätzung: „Es bräuchte schon einen CO2-Preis von um die 50 Euro pro Tonne, um einen Effekt in der Merit Order zu sehen.“

Auch Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool beobachtet schon jetzt, dass effiziente Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerke den Strom günstiger produzieren als Steinkohlekraftwerke. Dass Braunkohlekraftwerke verdrängt werden, erwartet der Experte erst bei einem CO2-Preis von 45 Euro je Tonne. Die Brennstoffkosten dieses Energieträgers seien einfach so niedrig. Die Unternehmen machten daraus ein Geheimnis, aber Schätzungen reichten von zwei bis sieben Euro je Megawattstunde (MWh) Strom.

Originaltext Tagesspiegel: Deshalb setze Energy Brainpool für die Braunkohle kurzfristige Grenzkosten von insgesamt 2,50 Euro pro MWh Strom an.
Korrektur Energy Brainpool: Deshalb setze Energy Brainpool für die Braunkohle kurzfristige Kosten von insgesamt 2,50 Euro pro MWh Brennstoff an.

Interessantes Detail: Braunkohle aus dem Mitteldeutschen Revier emittiert bei der Verstromung etwas weniger CO2 als die Kohle aus dem Rheinland. Die sogenannten Emissionsfaktoren liegen bei 0,37 Kilogramm CO2 je Kilowattstunde Strom gegenüber 0,41 Kilogramm. Dadurch sind die Grenzkosten im Rheinland insgesamt 8,1 Prozent höher.

Originaltext: Sollte der CO2-Preis eines Tages wirklich bei 45 Euro je Tonne liegen, hätte das nach Berechnungen von Energy Brainpool bei den heutigen Rahmendaten einen Strompreis von 59 Euro pro MWh zur Folge.
Korrektur Energy Brainpool: Sollte der CO2-Preis eines Tages wirklich bei 45 Euro je Tonne liegen, hätte das nach Berechnungen von Energy Brainpool bei den heutigen Rahmendaten kurzfristige Stromerzeugungskosten von 59 EUR/MWh für sowohl Braunkohle- als auch moderne Gaskraftwerke zur Folge.

Die Steinkohle wäre dann schon längst nicht mehr konkurrenzfähig, weil bei ihr das Verhältnis aus CO2-Intensität und Brennstoffkosten zu ungünstig ist.
Originaltext Tagesspiegel: Sie ist zwar etwas sauberer als die Braunkohle, aber ihre Brennstoffkosten liegen im Moment bei etwa 10,30 Euro je MWh erzeugten Stroms.
Korrektur Energy Brainpool: Sie ist zwar etwas sauberer als die Braunkohle, aber ihre Brennstoffkosten liegen im Moment mit etwa 10,30 Euro je MWh deutlich über denen der Kosten für Braunkohle.

Huneke verweist darauf, dass es auch innerhalb einer Kraftwerksgattung deutliche Unterschiede im Wirkungsgrad und damit auch in der Klimawirkung gebe: „Ein älteres Kohlekraftwerk emittiert mehr CO2 pro Megawattstunde Strom als ein modernes.“ Und außerdem seien alle angenommenen Werte dynamisch: „Wenn zum Beispiel in China die Kohlenachfrage steigt oder in der Ukraine eine Gaskrise ausbricht, verändern sich die Preise natürlich.“

Doch wann ist mit einem CO2-Preis von 45 Euro zu rechnen? Nach heutigem Wissen nicht so bald. Lenck sagt, dass die Märkte für Mitte der 2020er Jahre mit rund 25 Euro die Tonne rechnen. Die Vervierfachung innerhalb eines Jahres heißt aus seiner Sicht nicht, dass es in diesem Tempo so weitergeht. Ein Grund für den Preisanstieg war die Reform des EU-Emissionshandels, die im April in Kraft getreten ist und durchaus wirkt. Außerdem heißt es, dass RWE sich mit CO2-Zertifikaten bis weit in die 2020er Jahre hinein eingedeckt habe. Andere Marktteilnehmer könnten das registriert und daraufhin selber gekauft haben.

Die Reform des EU-Emissionshandels hat auch einen großen Vorteil gebracht: Wenn ein Land wie Deutschland ein Kohlekraftwerk stilllegt, kann es die Löschung der zuvor benötigten entsprechenden CO2-Zertifikate erwirken. Der oft angeführte „Wasserbetteffekt“ wird damit beendet. Jahrelang wurde angeführt, wenn Deutschland CO2 einspare, führe das nur dazu, dass in Polen die Kohlekraftwerke mehr emittieren würden. In dieser Schlichtheit stimmte das ohnehin nie, aber mit der Reform wird laut einer Studie der Agora Energiewende aus dem Wasserbett eine Badewanne mit Überlauf: Ab 2023 wandern überschüssige CO2-Zertifikate in die Marktstabilitätsreserve und werden dann stillgelegt.