Verkaufe, wenn Du damit Geld verdienst! Was wie eine einfache Regel erscheint, ist in der Vermarktung von Strommengen aus Kraftwerken gar nicht so leicht, wie in den letzten Jahren sowohl die konventionellen als auch die erneuerbaren Kraftwerksbetreiber lernen mussten.

In der Planung von an der Strombörse zu vermarkende Strommengen ist diese Regel ganz klar anzuwenden: In der Stunde in der die Vermarktungserlöse höher sind als die Produktionskosten lohnt es sich, diese Mengen zu verkaufen. Der Planer denkt hierbei binär, auch wenn „nur“ 0,1 EUR/MWh verdient werden, dann soll das Kraftwerk trotzdem laufen. Wenn man dann noch Glück hat, sind Extrempreise an der Strombörse zu sehen, so dass hier ein schöner Überschuss generiert werden kann. In den Stunden, in denen der Deckungsbeitrag meines Stromverkaufes negativ ist, wird das Kraftwerk ausgeschaltet, auch wenn es nur für eine Stunde ist. Mit diesem Ansatz kommt der Planer von konventionellen Kraftwerken in der Regel zu höheren Erlösen als im aktuellen Betrieb. Hier sprechen wir vom Marktwert: Wieviel ist die produzierte Strommenge am Markt wert.

Leider sieht die Praxis anders aus: Um auch die Stunden mitzubekommen, in denen sehr hohe Preise an der Börse zu erwarten sind, muss manchmal in einem sauren Apfel gebissen werden. Denn die meisten Kraftwerke habe nicht die stundenscharfe Flexibilität, die man sich gerne wünschen würde, sei es aus technischen Gründen oder sogar aus vertraglichen Gründen ( z.B. der Wartungsvertrag mit den Gasturbinenhersteller erlaubt nur 50 Kaltstarts im Jahr). Also muss das Kraftwerke auch in den Stunden durchfahren, in denen es kein Geld verdient oder der Kraftwerksbetreiber sogar draufzahlen muss. Dieses Verhalten ist leider nur „beschränkt rational“ wie der Verhaltensforscher sagt. Denn was in der einzelnen Stunde keinen finanziellen Sinn zu haben scheint ergibt über mehrere Stunden eines Tages durchaus einen finanziellen Mehrwert und somit einen Sinn. Denn, wenn die meine fehlende Flexibilität es mir nicht erlaubt, mein Kraftwerk stundenscharf zu schalten, so müssen Stunden mit einem negativen Deckungsbeitrag in Kauf genommen werden, damit der Gewinn einer Extremstunde mitgenommen werden kann. Bei einer solchen Betrachtung sprechen wir von einem Vermarktungswert, der in der Regel niedriger ist als der Marktwert.

Die von Energy Brainpool durchgeführten detaillierteren Untersuchungen über die Fahrweise von Gaskraftwerken in UK haben gezeigt, dass schnellstartende Gasturbinen häufig eine Stunde vor den Preisspitzen eine Tages (üblicherweise ist es die Tea-Time mit der Stunde 17, die sehr hohe Strompreise erwarten lässt) auch schon produzieren, hier aber oft eine negativen Deckungsbeitrag haben. Dies wird toleriert, wenn in der Stunde darauf ein hoher Deckungsbeitrag erzielt wird.

Mit zunehmender Einspeisevolatilität Europaweit durch erneuerbare Energien, werden wie diesen Effekt bei Kraftwerksvermarktungen wohl noch oft erleben, solang Inflexibilitäten am Markt vorhanden sind.