Das grundlegende Prinzip im Industriedesign, dass die Form eines Produktes auf seine angedachte Funktion zurückzuführen ist, sollte auch im Markt Design von Energiemärkten gelten.

Wenn man sich den Strommarkt in Deutschland und dabei insbesondere das Strommarktdesign, dann die „Form“ des Marktes  die Bepreisung von Strommengen, was sich in EUR/MWh ausdrückt. Unter der Annahme des perfekten Wettbewerbs zwischen den Erzeugern (Nehmen wir mal an, dass sei der Fall, auch wenn die Vergangenheit uns etwas anderes gelehrt hat) bieten diese das Gebot mit dem Minimum an Geld, welches die Erzeuger benötigen, um ihre Kosten zu decken.  Es wird zudem Angenommen, dass es sich dabei um die kurzfristigen Grenzkosten der Stromerzeugung handelt. Die Nachfrager hingegen bieten ihre maximale Zahlungsbereitschaft für Strom bis zu einer Höhe, wo sie die Stromerzeugung substituieren oder selber durchführen könnten. Das Ergebnis dieses Marktpreises ist hoffentlich höher als die kurzfristigen Grenzkosten der meisten Erzeuger und niedriger als die maximale Zahlungsbereitschaft der meisten Nachfrager. Die „Form“ dieses Marktes ist der Energy-Only Markt, wie wir ihn heute kennen.

Die „Funktion“ des Marktes ist die Refinanzierung der Kraftwerke mit all ihren Kosten, den operativen Kosten und den Kapitalkosten (OPEX und CAPEX).  Das ist zu mindestens das langfristige Ziel. In der heutigen Strommarktsituation in Deutschland, wo mehr als 25 % der Stromerzeugungsmengen aus fluktuierenden Erneuerbaren kommen, die geringe oder keine kurzfristigen Grenzkosten haben, ist diese „Funktion“ nicht mehr gewährleistet.  Die Strommarktpreise lagen für viele Kraftwerkstechnologien im Jahresmittel unterhalb der Stromgestehungskosten. Bei GuD-Kraftwerken ist der Deckungsbeitrag seit Jahren negativ, bei den Steinkohlekraftwerken ist der Deckungsbeitrag zwar positiv, aber er reicht nicht aus, um die OPEX und CAPEX zu decken.

Die momentane Situation führt zu zwei Fragen: Wie können wir die „Form“ des Marktes anpassen, damit er seiner „Funktion“ wieder gerecht wird? Und zu der wesentlich kritischeren Frage: Hat die „Form“ des Marktes in der Vergangenheit überhaupt ausgereicht, um die „Funktion“ des Market sicherzustellen.

Um eine Antwort auf die letzte Frage zu finden, würde heißen eine Revolution zu starten, die die gesamte Strommarktliberalisierung in Frage stellen würden. Aber um die erste Frage zu beantworten, braucht man einen Aktionsplan. Denn, wenn wir glauben, dass die „Form“ des Strommarktes im Grundcharakter passt, dann reichen kleine Anpassungen im heutigen Energy-Only Markt, damit der Markt seiner „Funktion“ wieder gereicht werden kann.  Aber es gibt auch einen Teil der Marktteilnehmer, die sagen, dass  die „Form“ nicht ausreicht, und wir eine deutliche Anpassung, bzw. einen Sekundärmarkt mit einer gänzlich anderen „Form“ brauchen, um der „Funktion“ gerecht zu werden. Dieser Sekundärmarkt in der Kombination mit dem Energy-Only Markt könnte dann die eigentliche „Funktion“ wieder erfüllen.  Diese Marktteilnehmer favorisieren den Kapazitätsmarkt.

Innerhalb der kommenden Monate muss die Politik in Deutschland entscheiden, welche „Form“ des Marktdesigns der Strommarkt haben soll.  Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie sich für die kleineren Anpassungen der „Form“ beim Energy-Only Markt entscheiden werden, in der Hoffnung, dass dann dieser Markt wieder seine „Funktion“ erfüllt.