Der Energiemarkt im September 2020 stand ganz unter dem Stern politischer Ankündigungen. Die großen Themen waren die EEG-Novelle 2021, sowie die Ideen zur Verschärfung der europäischen Klimaziele. Am langen Ende der Strompreise ging es auf und ab, während am Kurzfristmarkt Höchstpreise auftraten.

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EEG-Novelle 2021 in Abstimmung

Zum 20-jährigen Jubiläum des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz gibt es eine EEG-Novelle. Und die ist aufgrund der veränderten Marktbedingungen und den notwendigen höheren Klimaanstrengungen auch nötig. Mitte September 2020 ging der Gesetzesentwurf in die öffentliche Anhörungsphase. Zum 1. Januar 2021 sollen die neuen Regelungen der neuen EEG-Novelle dann in Kraft treten.

Die wichtigsten Änderungen haben wir in einem extra Beitrag hier zusammengefasst. Grundlegend möchte die Regierung erneuerbare Energieanlagen stärker auf den marktlichen Weg bringen. Es gibt jedoch auch Anschlussregelungen für die Anlagen, die ab 2021 aus der finanziellen Förderung fallen werden (Quelle: Energiezukunft).

Mit geänderten Ausschreibungsmengen möchte der Gesetzgeber bewirken, dass im Jahr 2030 das 65-Prozent-Ziel von erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch erreicht wird. Abbildung 1 zeigt die Gegenüberstellung der Kapazitäten erneuerbaren Energien in Deutschland. Dabei betrachten wir den Stand Mitte 2020 und die anvisierten installierten Leistungen im Jahr 2030 nach der EEG-Novelle 2021.

installierte Leistung erneuerbarer Energien in GW in Deutschland in 2020 und in 2030 nach EEG Novelle 2021, Energy Brainpool

Abbildung 1: installierte Leistung erneuerbarer Energien in GW in Deutschland in 2020 und in 2030 nach EEG Novelle 2021 (Quelle: Energy Brainpool)

Klimaschutz-Pakt aus dem BMWi

Bundeswirtschaftsminister Altmaier legte im September 20202 ein Papier vor, welches Basis für eine grundlegende Verständigung aller Parteien, Gewerkschaften und Umweltorganisationen zum Thema Klimawandel sein soll. Mit diesem Vorstoß möchte das BMWi einerseits einen breiten, gesellschaftlichen Konsens über die Klimapolitik herbeiführen. Andererseits möchte das Ministerium damit erreichen, dass der Klimaschutz nicht von „Zufälligkeiten der Politik“ abhängig gemacht wird.

Das Papier „Klima schützen & Wohlstand stärken“ enthält 20 Vorschläge. Diese sollen im nächsten Jahr durch Bundestag und Bundesrat partei- und fraktionsübergreifend in eine Charta für Klimaneutralität und Wirtschaftskraft verarbeitet werden.

Details der geplanten Charta

In der Charta sind die notwendigen jährlichen Minderungsziele von 2022 bis zur Klimaneutralität 2050 festzuschreiben. Des Weiteren sollen die entsprechenden Ministerien und Ämter verpflichtet werden, geeignete Maßnahmen zu erlassen, um die Klimaziele zu erreichen.

Weitere Ideen aus dem Papier sind:

  • die schrittweise Absenkung der EEG-Umlage,
  • der Ausgleich von wirtschaftlichen Nachteilen für Unternehmen gegenüber der Konkurrenz aus dem Nicht-EU-Ausland,
  • der Aufbau eines „Clean Products made in Germany“ Labels,
  • und die Einrichtung eines Klima- und Wirtschaftsrat, einer „Klima-Universität“, einer Stiftung „Klima und Wirtschaft“ sowie einer internationalen Agentur „Climate global“ (Quelle: Montel).

Die Ideen aus der Feder des BMWi stießen in der Wirtschaft weitestgehend auf Lob. Vor allem eine gesamtgesellschaftliche Herangehensweise an das Thema Klimaschutz sei wünschenswert. Allerdings gab es auch Kritik: Die Grünen, aber auch Umweltministerin Schulze forderten konkrete Taten und nicht nur weitere Papiertiger mit Ankündigungen (Quelle: Montel).

Weltweite Emissionen stiegen in 2019

Der jüngste Emissionsbericht der EU-Kommission verheißt nichts Gutes. So hat sich der Trend steigender CO2-Emissionen auch im Jahr 2019 fortgesetzt. Europaweit wurden 130 Mio. Tonnen oder 3,7 Prozent gegenüber dem Jahr 2018 eingespart. Demgegenüber gelangten weltweit immer noch 348 Mio. Tonnen oder knapp ein Prozent mehr CO2 in die Atmosphäre.

Von den globalen Emissionen von 38 GtCO2 im Jahr 2019 trug die EU nur noch einen Anteil von knapp 9 Prozent. Im Jahr 1990 hatten die europäischen Länder noch einen Anteil von 20 Prozent.

Auch wenn die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht absehbar sind, rechnen die Experten der Kommission damit, dass die globalen CO2-Emissionen in diesem Jahr aufgrund des wirtschaftlichen Einbruchs um acht Prozent niedriger ausfallen werden als noch in 2019 (Quelle: Montel).

EU will Klimaziel verschärfen

Da dieser Rückgang der Emissionen jedoch nicht nachhaltig ist, hat EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen am Mittwoch, den 16. September 2020, angekündigt, dass die EU anstrebt, ihre Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.

Das bisherige Ziel von minus 40 Prozent kann laut einem neuen Bericht der EU-Kommission mit den bestehenden und geplanten Maßnahmen erreicht werden (Quelle: Montel).

Während die EU-Kommission von einer Reduzierung von 55 Prozent spricht, hat der Umweltausschuss des EU-Parlaments ein Minderungsziel von mindestens 60 Prozent angedacht. In der ersten Oktoberwoche wird das EU-Parlament seine Position zum neuen Ziel abstimmen.

Auch auf dem nächsten Treffen der Umweltminister der EU am 23. Oktober werden die neuen Ziele sicherlich auf der Tagesordnung stehen (Quelle: Montel). Den Forderungen von Umweltverbänden nach einem Ziel von 65 oder gar 70 Prozent weniger Emissionen bis 2030 erteilt die EU-Kommission eine Absage. Dies sei in diesem Zeitraum „einfach nicht machbar“ (Quelle: Montel).

Kritiker monieren, dass die EU-Kommission bei ihrem 55-Prozent-Ziel trickst. Denn in der neuen Rechnung sollen die Emissionen aus der Landnutzung mit einbezogen werden. Experten rechnen damit, dass dies im Vergleich zur vorherigen Rechengrundlage tatsächlich einer Reduktion der neuen EU-Ziele um 2,5 bis 5 Prozentpunkte entspricht. Also eher einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen von 50 bis 52,5 Prozent gegenüber 1990 entspricht (Quelle: Montel).

Auf und Ab am langen Ende

Die Stromnachfrage könnte zum Ende des Jahres in den Staaten Westeuropas noch immer bis zu drei Prozent unter dem Normalwert liegen. Von einer vollständigen Erholung gehen Experten erst nach dem Jahr 2022 aus (Quelle: Montel).

Gleichzeitig könnte, laut einem Bericht des Energiekonzerns BP, die Corona-Pandemie die weltweite Ölnachfrage dauerhaft senken. Aufgrund der Folgen der Pandemie rechnet BP in seinen Szenarien damit, dass geänderte wirtschaftliche und soziale Verhältnisse dafür sorgen, dass der Ölbedarf bis 2025 um 3 Mio. Barrel/Tag geringer liegt als vor der Pandemie (Quelle: BP).

Anfang September fielen die Ölpreise, um mehr als zehn Prozent um gegen Ende des Monats wieder bei etwa 42 USD/Barrel zu landen.

Nach einem kurzen Hoch von knapp über 31 EUR/Tonne aufgrund der Vorschläge der EU-Kommission zum neuen Klimaziel für 2030 fielen die CO2-Preise gegen Ende September wieder etwas ab. Der Strompreis für das Frontjahr pendelte im September zwischen 40 und 43 EUR/MWh, die CO2-Zertifikatspreise für Lieferdatum Dezember 2020 erreichten ihr Tief bei knapp etwas über 26 EUR/Tonne.

Abbildung 2 stellt die Preisentwicklung verschiedener Commodities im August und September 2020 dar.

prozentuale Preisentwicklung des deutschen Stromfrontjahres (candle sticks), der CO2-Zertifikate mit Lieferung Dezember 2020 (orangenfarbene Linie) und der Ölsorte Brent mit Lieferung im Dezember 2020 (rote Linie) von Anfang August bis Ende September 2020 (Quelle: Montel), EEG-Novelle, Energy Brainpool

Abbildung 2: prozentuale Preisentwicklung des deutschen Stromfrontjahres (candle sticks), der CO2-Zertifikate mit Lieferung Dezember 2020 (orangenfarbene Linie) und der Ölsorte Brent mit Lieferung im Dezember 2020 (rote Linie) von Anfang August bis Ende September 2020 (Quelle: Montel)

Höchstpreise am deutschen Kurzfristmarkt

Am deutschen Intraday-Markt kam es am 15. September 2020 zu den höchsten Preisen seit einem Jahr. Die Viertelstunde von 18.45 bis 19.00 Uhr erreichte einen Spitzenpreis von 3.999,99 EUR/MWh. Ursache hierfür war eine Kombination von höherer Nachfrage, geringer konventioneller Kraftwerksverfügbarkeit und kaum Wind. Dementsprechend mussten Kraftwerke mit sehr hohen Anfahrtkosten die Residuallast decken.

Die hohe Sonneneinstrahlung ab Mitte September verschaffte der PV noch einmal einen Schub, während die geringe Windeinspeisung durch eine relativ hohe Verstromung aus Steinkohlekraftwerken ausgeglichen wurde. Die Stromerzeugung und die Day-Ahead-Preise für Deutschland sind in Abbildung 3 zu sehen.

Stromerzeugung und Day-Ahead-Preise im September 2020 in Deutschland (Quelle: Energy Brainpool), EEG-Novelle

Abbildung 3: Stromerzeugung und Day-Ahead-Preise im September 2020 in Deutschland (Quelle: Energy Brainpool)