Was können nicht geförderte Offshore-Wind-Anlagen in den Jahren 2025 bis 2035 am Markt verdienen? Analysten von Energy Brainpool veröffentlichen White Paper über mögliche Erlöspotentiale.

Aktuell sorgen die Ergebnisse der Ausschreibung von Offshore-Windparks für große Diskussionen in der Energiebranche, da die Gebote vollständig ohne staatliche Förderung auskommen. Vor diesem Hintergrund veröffentlicht Energy Brainpool, der unabhängige Energiemarkt-Experte aus Berlin, eine Berechnung von möglichen Erlöspotentialen.

Im White Paper zeigen die Analysten anhand dreier modellierter Strompreisszenarien, welche Einnahmen in Deutschland bis 2035 beim Betrieb von Windkraftwerken ohne Förderung durchschnittlich realistisch sind. Die drei Szenarien gehen von den unterschiedlichen Sensitivitäten „Standard“, „Conservative“ sowie „Low Price“ aus. Erlöspotentiale von nicht geförderten Anlagen fluktuierender erneuerbarer Energien (feE-Anlagen) werden in der von Energy Brainpool entwickelten Kenngröße „Vermarktungserlös“ angegeben. Diese setzt sich zusammen aus Vermarktungswert und -menge.

„Der Ausgang der Offshore-Auktion zeigt, dass die Akteure überzeugt sind, Anlagen eigenständig wirtschaftlich betreiben zu können und hierfür nicht auf die gesetzlich zugesicherte Förderung angewiesen zu sein.“, sagt Carlos Perez Linkenheil, Expert bei Energy Brainpool. „Umso mehr gewinnt eine fundierte und realistische Erlösbewertung nicht geförderter feE-Anlagen an Priorität.“

Alle drei Szenarien unterscheiden sich elementar in den Annahmen über Steinkohle-, Erdgas- und Rohölpreise, EUA-Preise (European Emission Allowances) sowie hinsichtlich der installierten Kapazitäten. Das „Low Price“-Szenario sowie das „Standard“-Szenario folgen dabei den Plänen der Bundesregierung, in 2050 einen Anteil erneuerbarer Energien von 80 Prozent an der Bruttostromnachfrage zu erreichen. Die Europäische Union geht in ihrem „Referenz“-Szenario lediglich von 57 Prozent aus, welches die Grundlage für das „Conservative“-Szenario bildet.

Im „Standard“-Szenario kann eine Windenergieanlage auf See im Jahr 2025 einen Vermarktungswert von 53 Euro pro Megawattstunde erzielen. Dieser kann im Jahr 2035 bis auf 76 Euro pro Megawattstunde ansteigen. Der Vermarktungswert des Szenarios „Conservative“ liegt für das Jahr 2025 23 Prozent über dem des „Low-Price“-Szenarios. Im Jahr 2035 liegt er bereits 37 Prozent über dem des „Low-Price“-Szenarios und steigt somit überproportional an. In beiden genannten Jahren liegen die Vermarktungswerte des „Standard“-Szenarios innerhalb dieser Range.

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Vermarktungserlöse sind die Vermarktungsmengen, die sich bei Wind-Onshore und Wind-Offshore auch aufgrund der Erzeugungsprofile der Technologien unterscheiden. Ohne eine ausgleichende Zahlung, zum Beispiel über die Marktprämie im EEG, werden feE-Anlagen in Zeiten negativer Preise abschalten, um Verluste zu vermeiden. Die Anlagen produzieren wetterabhängig und nicht bedarfsgerecht. Daher wird es gerade in Zeiten hoher Einspeisung und geringer Nachfrage vermehrt zu negativen Preisen kommen. Aufgrund der höheren installierten Leistung der Onshore-Anlagen und des hohen Gleichzeitigkeitsfaktors fällt der „Kannibalisierungseffekt“ für selbige deutlich gravierender aus als für Offshore-Anlagen. Im „Standard“-Szenario beträgt die Vermarktungsmenge für Offshore-Anlagen in den Jahren 2025 bis 2035 durchschnittlich 95 Prozent, für Onshore-Anlagen nur 89 Prozent der möglichen Jahresproduktion.

Anfang April 2017 fand die erste Ausschreibung von Offshore-Windkraftanlagen statt. Sie endete mit einer Überraschung: Im Rahmen der Ausschreibung boten Dong Energy und EnBW insgesamt eine Offshore-Kapazität von 1380 Megawatt zu einem Preis von null Cent pro Kilowattstunde an. Dieser Angebotspreis bedeutet, dass die Betreiber das Projekt ohne Fördergelder realisieren werden. Sie müssen zukünftig mit den reinen Vermarktungserlösen der erzeugten Strommengen auskommen.

Das ausführliche White Paper finden Sie zum kostenlosen Download auf unserer Webseite.