Der zweite Tag des Symposiums „Energiehandel 2022“ war vor allem geprägt durch die Diskussion um einen europäischen Energiebinnenmarkt und die Aufsplittung der deutsch-österreichischen Preiszone.

Symposium-2016

Dr. Niels Ehlers des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission betonte, dass Einspeisemanagement und Redispatch seit 2015 stark gestiegen seien. Im letzten Jahr lag die Summe der Engpassmanagement-Maßnahmen bei schon mehr als 10 TWh, was mit Kosten von mehr als 1 Mrd. Euro einherging. Eine Option zum Umgang mit Netzengpässen ist die Einführung von Phasenschiebern, durch welche Loop-Flows durch das polnische Netz reduziert werden könnten. Zunehmend könnten nämlich Handelsflüsse physikalisch oft nicht realisiert werden und müssten deshalb durch die ÜNB korrigiert werden. Die Beibehaltung der deutsch-österreichischen Preiszone sei ohne Netzausbau auf lange Sicht nicht haltbar. Damit unterstützte er Dr. Kathrin Thomaschki, die am Vortag bereits auf die erheblichen Kosten der notwendigen Netzreserve hingewiesen hatte. Diese Kosten ließen sich durch eine Aufsplittung des deutsch-österreichischen Marktgebiets signifikant senken.

Philipp Irschik des österreichischen Regulierers Energie-Control sprach sich indessen für die Aufrechterhaltung einer gemeinsamen Preiszone von Deutschland und Österreich aus, da diese Versorgungs- und Netzsicherheit sowie einen liquiden Markt gewährleisten würde. Auch wenn an ca. 8 % der Fälle ein Engpass an der Grenz auftritt, wäre die Einführung von künstlichen Handelsgrenzen durch die ACER mit einem EU-Energiebinnenmarkt unvereinbar. Ebenso nannte er den Netzausbau in Deutschland, Polen und Tschechien als mögliche Lösung für die Lastengpässe und verlautete „Österreich […] wäre auch bereit sich an Übergangslösungen wie den Kosten der Netzreserve zu beteiligen“.